Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Die wieder erstehende MabhinerVersammlung. 169 den Glauben ׳ erzeugt, sie hätten dadurch mit dem Judenthum gebrachen, so daß sie wirklich zum inneren Abfall geführt werden. Dieses Schlingkraut muß durch offene gemeinsame Aussprache abgelöst werden, damit der ächte Stamm zu reiner Blüthe und Fruchtbarkeit gedeihe. — Es giebt endlich gewisse Satzungen, bei denen die Amtsverrichtung des Rabbiners erfordert wird und in deren Ausführung er sich gebunden glaubt durch veraltete Anordnungen. Er scheut sich, sie als antiquirt zu beseitigen, in eigner Zagheit, in Besorgniß vor der Gemeinde; er wagt nicht als Einzelner hervorzutreten, er ist bedenklich, ob die eigne Gemeinde es ihm nicht als nicht zu rechtfertigende Kühnheit verargen wird. Also wiederum nur gemeinsames Berathen und Aussprechen führt über alle diese Unebenheiten weg, und die Zeit drängt zu einem solchen Gesammtentschlusse von Seiten der Rabbiner, der aber auch durch mitanwesende Vertreter der Gemeinden als einem Bedürfnisse der Gegenwart entsprechend, als Ausdruck des Gemeindewillens anerkannt wird. Oder dürfen wirklich noch weiter aus bloßer Aengstlichkeit oder Trägheit Dinge bestehn, die aufs Schädlichste in die Wohlfahrt eingreifen? Die Chalizah ist z. B. im Allgemeinen als ganz mit allen unfern Anschauungen im Widerspruch stehend anerkannt; daß sie der Wiederverheirathung der Frau ein Hinderniß in den Weg legen dürfe, wenn der Schwager aus Prellerei sich nicht dazu verstehen will, ist eine Grausamkeit, die sich auf angeblich gesetzliche Satzungen stützend, das Glück einer Frau zu untergraben vermag, und dennoch werden Wenige aus den angegebenen Rücksichten den Muth haben die Trauung zu gestatten und zu vollziehen. Die s. g. religiöse Scheidung, der ״Get" ist mit Vorschriften und Ausführungsmodalitäten überhäuft, die die Handlung immer lächerlich machen, zuweilen aber eim> unseliges Band gewaltsam aufrecht erhalten. Es spricht allen unsern Gefühlen Hohn, wenn etwa bei einem Proselytenbade zumal einer Dame die Gegenwart eines Beth-din verlangt wird! Dieses und vieles Aehnliche sind Alles zugestandene Dinge, die eine Wegräumung dringend fordern, die sich aber erhalten, so lange nicht ein öffentlicher Ausspruch darüber erzielt wird. Diese Betrachtungen regten mich in Gemeinschaft mit mehreren Amtsgenossen an, das Institut der entschlafenen Rabbiner-Versammlnng wieder zu erwecken. Natürlich wie man nach Verlaufe von zwanzig Jahren, und dazu solch gewichtigen Inhalts, ein ruhendes