Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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166 I.' Die gegenwärtige Lage. doch nun einmal nicht abzuweisen sei, sich nicht zu arg vergreifen solle, daß die Stelle in Josua doch eigentlich blos nach der gewöhnlichen Auffassung von dem Gange der Sonne spreche, daß ja wenn überhaupt von einem Wunder des Stillstandes — sei es der Sonne nach der Sinnestäuschung und nach dem üblichen Ausdrucke oder der Erde — die Rede sei, dies blos eine Entlehnung aus einem Liede, einer poetischen Verherrlichung sei, daß man aber darum sonstige Wunder und Verheißungen und Gebetserhörungen, kurz allen alten Glauben weiter festhalten müsse. Man will eben den Aufsehen erregenden Anstoß aus dem Wege räumen, aber sonst hübsch Alles beim Alten lassen. Dieses Leisetreten ist weit gejährlicher, es untergräbt still, schleicht sich ein und zieht sich bei jedem drohenden Geräusche zurück. Dem Ernste der Gesinnung müßte gerade diese Richtung, die Schlaffheit einflößt und die Geister entnervt, als die entschieden zu bekämpfende erscheinen. Allein man faßt sich blos zusammen zn einem gelegentlichen Bonmot, Und damit ist es abgethan. Der Protestantismus ist auf dem Katheder, in den verwaltenden Kreisen, auf der Kanzel sehr krank, nur als schwacher Heilversuch erscheint der Protestantenverein. t Der ganzen Zeitrichtung vermag sich auch das Judenthum nicht zu entziehen. Die vornehme Kühle der Gebildeten, die Erschlaffung der Gemeinden, die Mattherzigkeit der Rabbiner ist auch in ihm vorherrschend, und es fehlt ihm noch dazu an den gelegentlichen Aufstachelungen. Zwar an Päpstlein und Knäklein gebricht es auch uns nicht; auch sie haben den ernsten Willen im Mittelalter zu erhalten, beziehungsweise zu ihm zurückzuführen. Allein im Bewußtsein ihrer Schwäche, ohne Anhalt an eine einflußreiche Macht, scheuen sie das starke Auftreten nach Außen, wühlen blos in ihren kleinen Sonderkreisen, erhaschen hie und da ein Vortheilchen und machen sich außerdem — blos lächerlich mit ihren falschen Scheiteln, ihren am Sabbath um den Leib gewundenen Taschentüchern — denen sie durch Erub-Telegraphenuhren zu entgehen den vergeblichen Versuch machen —, durch ihren Mangel an thalmudischer Befähigung und ihre wissenschaftliche Unbeholfenheit, mit der sie durch unglücklichen Ethmologieenschwindel die babylonische Sprachverwirrung wieder heraufbeschwören möchten. So fehlt es nun freilich an einem offenen Aergernisse, an einer Drohenden