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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 3 (1868) · p. Seite 165

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
3 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 ■ L" Die gegenwärtige Lage. überwuchernden schalen Ueberrest aus einer begrabenen Vergangenheit zu verbannen, geht sie immer an die Außenwerke, umgeht die Festung, will sich gar selbst aus ihr hinauswerfen. ״Trennung der Schule von der Kirche" wird bei den Einen die Tagesparole. Daß die Schule nicht die Magd der Kirche, nicht der Lehrer der Diener des jeweiligen Geistlichen sei, daß dessen Einfluß überhaupt nicht der maßgebende sei, ist eine berechtigte Forderung, die ohne Weiteres zugestanden, deren Erfüllung unter allen Umständen angestrebt werden muß. Aber was will vollständige Trennung heißen? In einem gesunden Organismus müssen die Glieder zusammenwirken, nicht ein jedes seinem eignen Belieben ohne Rücksicht auf die andern folgen. Die verschiedenen Lebensalter sind gleichfalls nicht von einander getrennt, nicht der Knabe vom Jüngling, nicht dieser vom Manne. Daß der religiöse, überhaupt geistige Führer der Gemeinde auch nicht principiell ausgeschlossen sei von der Mit- Wirkung an der Erziehung der Jugend, ohne daß sein Einfluß der herrschende sei, ist ein so natürliches Verhältniß, daß seine Jgnorirung nur Verkehrtheit, zugleich unseligen Kampf und gegenseitige Verbitterung herbeiführen muß. ״Austritt aus der Kirche!" rufen die Entschiedenen. Natürlich verhallt ihr Wort ganz ohne Anklang. Man weicht nur nochgedrungen einem unbesiegbaren Zwange; ein augenblicklicher Unmuth, der weiter nicht ״derangirt", führt zu keinem eclatanten Schritte. Orthodoxe Bornirtheit entschließt sich leicht zum Austritte, sie glaubt sich bei dem Geringsten in ihrem Heiligthume bedroht, in ihrem Seelenheile gefährdet. Der Freisinnige erträgt gar Manches, so lange nicht ganz seine geistige Existenz Gefahr läuft, er duldet oder — er kämpft. Er kämpft oder er sollte kämpfen, um das ganze religiöse Gemeindebewußtsein mit seinem Ausdrucke zu der eignen Höhe emporzuheben. Statt dessen wird i,nder Rath ertheilt, die Verbindung mit der Gesammtheit, die Einwirkung auf sie aufzugeben, das Erbe der Väter in den Wind zu schlagen, sich aus der geschichtlichen Continuität freiwillig hinauszuwerfen! Der Muth der Mattherzigkeit, die Kraftanstrengung der fliehenden Feigheit! Ueber einen Knak ereifert man sich doch eine kurze Zeit. Da kommt nun aber die sanfte vermittelnde Zurechtweisung. Sie warnt vor dem Läppischen Eifer, der die zahme Aufklärung kopfscheu machen könnte, sie belehrt, daß man an der unheiligen Wissenschaft, die

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