Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Die gegenwärtige Lage. ' 16Z ernste Gewissen, der gesunde Verstand gegen die Anmaßungen einer geistlichen, nicht geistigen, Macht sich auflehnte und in ihr damals noch weit mehr befestigtes Bollwerk eine mächtige Bresche schoß. Ein herrliches Denkmal, ein Kunstwerk, wie es in dem idealen Haupte eines denkenden Künstlers erstand, von Meisterhänden ausgeführt wurde, ein Gedenkfest dem Manne in dem Momente, als er das tiefinnere Wort aussprach: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! — das sollte wenigstens den Theil der Christenheit, des deutschen Denkervolkes, welcher dieser That seinen Namen und sein Bekenntniß als Protestanten verdankt, erschütternd bewegen; zu aufflammender Begeisterung müßte die mannhafte Gesinnung der Enkel sich an dem geläuterten Glaubensmuthe der Väter entzünden. Nicht der beschränkte menschliche Luther, der Sohn seiner Zeit, der abhängig von den geschichtlich nöthigenden Verhältnissen sich allmälig selbst immer mehr einengte, sollte gefeiert werden, sondern der Luthergeist, wie er ausbrach in sittlicher Empörung, im unbezwingbaren Drange des freien Gedankens, die verrosteten Fesseln abzuschütteln, der durch klare vernünftige Gründe, durch das richtig verstandene Schriftwort überzeugt zu werden verlangte. Die ganze Macht der an dieser Geistesthat frei oder doch freier gewordenen Menschheit, des entwickelten Bewußtseins hätte in ihrer ganzen siegreichen Gewalt, in. ihrer ganzen Fülle sich offenbaren, ergießen und zur Verwirklichung der nunmehrigen geistigen und sittlichen Bedürfnisse auffordern müssen. Arge Täuschung! Das Fest wax weiter Nichts als eine der vielen jetzt üblichen Versammlungen, welche mehr der Wander-, der Schau-, der echauffirenden Erholungslust dienen. Gut genug daß die Engherzigkeit es nicht geradezu zu ihren Zwecken ausbeuten durfte; guten Willen hatte sie genug dazu. Denn auch im Protestantismus herrscht ja. die Verdunkelung mit fast ungetheilter Gewalt. Die in ihm maßgebende Richtung bedauert es nur, daß sie in anderem Sinne ihr non x>088nn1u8 aussprechen muß, daß ihr die mächtige hierarchische Gliederung fehlt, die sie deßhalb eifrig anstrebt, daß sie nicht so ganz und gar in Unfreiheit schlagen, nicht ohne alle Zurückhaltung verdammen kann, weil sie sonst ihren Ursprung gänzlich verläugnen, ihre Berechtigung sich selbst entziehen würde. Und dennoch leistet sie das Mögliche, sie schnürt die Geister und die Freiheit möglichst ein, und wiederum weiß die Intelligenz nichts Besseres und Kräftigeres zu thun als —; 11*