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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 4 (1867) · p. Seite 300

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
4 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 300 (sequence 60)
Language
German
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300 IV. Immanuel, Freund Dante's. hört da Seufzer, die die Luft erzittern machen, und vernimmt von seinem Führer, Virgil, über diese Geister, (V. 34) daß sie nicht fehlten; haben sie Verdienst, so genügt es nicht, weil sie der Taus' entbehren . . . Und wenn sie vor dem Christenthume lebten, verehrten Gott sie nicht, wie sich's gebührt: und so gehör' ich selbst zu jenen selben. Ob solchen Mangels, nicht ob andrer Schuld Sind wir verdammt. Nur, fügt er hinzu, kurz nachdem er (Virgil) in diesen Zustand gekommen, habe er einen Mächtigen ankommen gesehen, ״der war gekrönet mit des Sieges Zeichen," der habe Adam, Abel, Noah, Moses, Abraham, David, Israel mit Familie, Rahel und Andere hinweggenommen. Kurz, hier sind, wenn auch nicht in tiefstem Abgrunde, doch in der Verdammniß der Hölle alle Nichtchristen, die Edelsten nicht ausgenommen. Dasselbe wird im ״Fegefeuer" 3, 40 ff wiederholt, deßgleichen 7, 4 ff wo Virgil wieder von sich aussagt: und nicht ob andern Fehles, als weil ich nicht geglaubt, miß' ich den Himmel, ebenso 21, 18. 34. 22, 13. 60: Der Glaube, ohne den Rechtthun nicht genüget, ferner 97 ff, wie denn 30, 49 nahe dem Ausgang des Fegefeuers Virgil bereits verschwunden ist. Von besonderem Interesse in dieser Beziehung ist die Stelle Paradies 19, 7Off, wo der nagende Zweifel über die Ungerechtigkeit solcher Verdammniß mit jener grausamen frömmelnden Demuth abgewiesen wird: Geboren wird ein Mensch am Jndusstrom, und dorten spricht ihm Niemand noch liest noch schreibt ihm Einer je von Christus; und gut ist all' sein Wollen und sein Thun, soweit die menschliche Vernunft es einsieht, von Sünd' ist frei fein Leben wie sein Reden. Stirbt er nun ungetanst und ohne Glauben, wie kann Gerechtigkeit ihn nun verdammen? wo liegt denn seine Schuld, wenn er nicht glanbet? Und nun die Antwort: Wer bist du, daß du zu Gericht willst sitzen. . . Man sieht, der mächtig ringende Geist kann sich von den Fesseln einer engherzigen kirchlichen Dogmatik nicht befreien; mit freierem Blicke durchschreitet der Jude Immanuel die weiten Räume der Weltgeschichte. —

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