Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Immanuel, Freund Dantes 297 Verluste seines geliebten Weibes das Erlöschen eines zweiten Weltlichtes, der Schönheit zu beweinen habe, des schönen Antlitzes, das seine Zunge so Wohl zu Preisen verstand, und nach dessen Verscheiden Immanuel Wohl größerem Ernste sich zuneigte, was wir unter dem Betreten eines andern Weges zu verstehen haben. ״Sollte nun Immanuel, der in seinem hebräischen Divan so manchem noch lebenden Freunde ein Denkmal des Nachrufes zu errichten beflissen war, seinen hohen Freund Dante mit tiefem Stillschweigen übergangen haben? Daß er ihn nicht ausdrücklich genannt haben werde, dürfen wir Wohl voraussetzen, ein Chklus hebräischer Gesänge, zunächst nur seinen Glaubensgenossen bestimmt und zugänglich, mochte sich nicht für die Verherrlichung eines andersglaubenden Zeitgenossen eignen, und schon die heftigen Parteistreitigkeiten, die Dante'n so viele Verfolgungen zuzogen, mochten den jüdischen Dichter bedenklich machen, den Haß mächtiger Gegner gegen sich heraufzubeschwören. Dennoch dürfen wir Wohl vermuthen, daß er Dante etwa unter einem leichten Schleier verhüllt verherrlicht habe; vielleicht gelingt es uns, den Verschleierten aufzuflnden und die Verhüllung abzustreifen. ״Unmittelbar nach der Stelle über die Frommen anderer Religionen berichtet er, wie er einen herrlichen Sitz gesehen, der für seinen noch lebenden Freund Juda Romano, einen fruchtbaren philosophischen Schriftsteller und Uebersetzer christlich-philosophischer Werke, bestimmt sei, und fährt dann fort: Da habe ich meines hohen Bruders Daniel gedacht, — der meinen Weg geebnet, mich auf den Pfad der Wahrheit gebracht, — der mir nahe war, da ich floh in des Elends Nacht, — er, auf meinem Haupte des geweihten Stirnbunds Pracht, —־ meines Geistes Geist, der in meinem Fleische das Leben angefacht, — so groß und so voll Edelsinns zugleich, — so bescheiden und doch an Weisheit so reich, — deß Lob durchstrahlet der Welten Reich. — Da sprach ich zum Manne, der mich führte durch die Hallen: — — D Herr, laß es dir gefallen, — mir die Ruhestätte zu Zeigen, — die meinem Bruder Daniel eigen. — Er sprach: Siehe, 's ist schwer zu seinem Platze emporzusteigen, — seine Strahlen zu der Erde Enden reichen. — Du solltest zu ihm hinanzudringen dich nicht unterwinden, — zu ihm, der Sühne gebracht des Volkes Sünden; — doch mag er Wohl ohne dich nicht Ruhe finden, — drum, reicht auch deine Würde nicht zu der seinen, — errichtete dennoch Gottes