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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 4 (1867) · p. Seite 296

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
4 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 296 (sequence 56)
Language
German
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296 IV. Immanuel, Freund Dante's. ״Wer War nun der Jude Manoello, der vertraute Freund Dante's? Offenbar wie Luzzatto es schon erkannt, kein anderer als der wohlbekannte hebräische Dichter, der Römer Immanuel ben Salomo (geb. um 1272). Ein gelehrter Schrifterklärer, Verfasser philosophisch-grammatischer Werke über die hebräische Sprache, ist er zugleich hebräischer Dichter, zumeist im Geiste seines jüngeren Zeitgenossen Boccaccio, und weiß die hebräische Sprache mit unvergleichlicher Meisterschaft den Sprüngen seines kecken Humors anzupassen. Dieser findet seinesgleichen in der jüdischen Poesie nicht, die meist im würdevollem Ernst einherschreitet, auch da — was selten geschieht — wo sie der Frauenliebe huldigt, es in gehobenen Schwünge thut und nur hie und da, wie bei Charisi und Juda ben Schabthai, sich einen harmlosen Witz gestattet. Immanuel jedoch kann kein Ende finden im recht sinnlichen Lobe der Frauen, preist die Liebe, wenn auch mit glühend-poetischen Farben, doch nur in ihrer Lüsternheit; er rühmt nicht die Treue an der Frau wie er auch kein Vertrauen in sie setzt. Sogleich im ersten Gesänge lehrt er: ' Die Bürgschaft, daß die Frau verläßlich, Liegt darin, daß sie alt und häßlich. ״Die alten und häßlichen verspottet er ohne Schonung . . . Seinen Divan, den er im Alter (um 1328) gesammelt, schließt er mit einer ״Pforte," welche, nach dem Muster Dante's eine Höllen- und Paradiesesfahrt beschreibt. Freilich verleugnet er auch -in dieser seinen Humor nicht, und die ganze Anlage des Gesanges ist weit entfernt von der Tiefe der Dante'schen ״göttlichen Komödie;" doch bietet sie jedenfalls erhabene Stellen und läßt uns in seine Seele blicken, die sich über engherzige Vorurtheile zu erheben weiß. Bei seinem Eintritte ins Paradies, wo er sowohl viele Fromme der alten Zeit als auch manche Jüngstverstorbene erblickt, auch den Sitz schaut, der manchem noch Lebenden vorbereitet ist, gewahrt er auch Andere, die er folgendermaßen beschreibt: Dort fah ich Männer mit einem Strahlenkranz rc. (vgl. oben S. 290) ״In einem solchen Manne dürfen wir den Freund Dante's erkennen, ihn, ״dessen Seele lächelte", wie Bosone sich ausdrückt, der trotz seiner dichterisch-erotischen Scherze dennoch mit liebevoller Treue an seinem Weibe hing und, wie derselbe Bosone ausspricht, in demselben Jahre, da er in dem Verluste des berühmten Freundes das Erlöschen eines Weltlichtes, der Tugend, beweinte, in dem

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