Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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über Judenthum und Christenthum. 279 596 S.), UM Von diesem Bedauern tief ergriffen zu werden. Als existirte keine neuere Forschung wird in's Blaue hineingeredet, mit den nebelhaftesten Phrasen werden die damals herrschenden Richtungen der Sadducäer und Pharisäer (vgl. besonders S. 161), der Essäer (S. 13. S. 68 Anm. 1), der Herodianer (S. 98) ohne alle Rücksicht auf neu erschlossene Quellen dargestellt. Hr. E. ist kein Kenner des Thalmud; das kann keinem Tadel unterliegen. Er merkt jedoch, daß deffen Studium für die Erkenntniß jener Zeit wichtig ist, und er bemüht sich von ihm Gebrauch zu machen; das ist lobenswerth. Er begeht freilich dabei, weil er sich zu viel vertraut, arge Schnitzer; das ist nicht auffallend und noch zu verzeihen. Aber er wiederholt mit Jgnorirung aller ihm gemachten Berichtigungen die nachgewiesenen Fehler; das ist die bittere Frucht der Selbstsucht, die ein jedes reine wissenschaftliche Streben zersetzt, zur Fäulniß bringt. Hr. E. hatte vor sieben Jahren in seinen ״Jahrbüchern" eine Abhandlung veröffentlicht ״über Hillel und seine Rabbinenschule"; es wurde ihm damals unmittelbar darauf in Steinschneider's ״hebräischer Bibliographie" Bd. III S. 39ff nachgewiesen, wie oft er gestrauchelt bei diesem Versuche, einen Gang durch das thalmudische Gebiet zu machen, und dennoch wiederholt und vermehrt er diese Jrrthümer, indem er diese Abhandlung nun der ״Geschichte" (S. 12—48) einverleibt. Schon die Überschrift stellt das Verhältniß schief dar. ״Hillel und seine Gegner" lautet sie nun. Allein die eigentlichen Gegner Hillel's war die schroffe, ihre Vorzüge festzuhalten bedachte Priesterpartei, nicht Schammai und seine Schule; diese standen auf gleichem pharisäischem Boden mit Hillel, nur daß sie die energische Durchführung scheuten und zäher am Hergebrachten hielten. Rein aus der Luft gegriffen und die ganze Stellung der Männer und ihrer Schulen geradezu umkehrend ist die Behauptung, daß Schammai ein Schüler Hillel's gewesen (S. 23 und 44), ebenso unrichtig wenn dies (S. 23 Anm. 1) von Menachem gesagt wird und hier Dinge blos im Namen eines späteren Erzählers berichtet werden, wofür E. später (S. 98 Anm. 1) selbst die ältere Quelle anführt, nur daß dort ein neuer Fehler begangen wird, indem Menachem gar ״der Nachfolger" Hillel's heißt! Daß Hillel ein Babylonier gewesen, steht fest und könnte zuversichtlicher angegeben werden; hingegen beruht die Annahme, daß ״im Allgemeinen die biblischen Wissenschaften unter den östlichen Judäern aufs Schönste geblüht haben" (S. 26f), auf ganz unbegründeter Vermuthung.