Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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über Judenthum und Christenthum. 271 trauens, welchen die uns überkommenen Werke verdienen, aufmerksam. Doch wäre es sehr wünschenswerth gewesen, wenn er eine mehr umfassende Belehrung darüber gegeben hätte, namentlich aber bei seinen Anführungen die alte Hauptquelle immer vorangesetzt und den späteren Berichten blos eine subsidiarische Stellung eingeräumt, ferner aber auch gegen diese eine strengere Kritik geübt hätte. Ohne hier die vielen Belege untersuchen zu wollen, in welchen diese Regel eine Anwendung verdient hätte, sei hier blos auf Einzelnes aufmerksam gemacht. S. 306f, namentlich in der Anm., wird mit feinem Blicke auf ein Mißverständniß hingewiesen, welches zwischen Jochanan ben Sakkai und Gamaliel II geherrscht haben muß, indem jener Wohl von diesem verdrängt worden und sich vor ihm von Jamnia nach Berur-Chail zurückgezogen habe. Eine Stelle, welche hier besonders in's Auge gefaßt wird, ist Sanhedr. 32 b. Dieselbe verdiente, wie ich glaube, eine schärfere Beleuchtung; sie würde durch die Zerlegung in ihre älteren und jüngeren Bestandtheile den geschichtlichen Hintergrund weit klarer hervortreten lassen. Die älteste Quelle — die von Hrn. D. aber nicht angeführt wird — ist Sifre zu 5 Mos. 16, 20 (§ 144, 103 b ed. Wien). Die Worte: der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit eile nach, werden daselbst zur Ermahnung angewendet: Gehe einem Gerichtshöfe nach, der untadlig (von unanfechtbarer Autorität) ist, דלך אחר בעז דין שיפד, dem Gerichtshöfe des Jochanan ben Sakkai und dem Gerichtshöfe des Elieser (ben Hyrkan). Die Hervorhebung gerade dieser beiden Lehrer, deren ausschließliche Bezeichnung als der Vorsteher eines feststehenden und untadligen Gerichtes kann nicht gleichgültig sein; darin liegt entschiedene Absicht. Die Persönlichkeit Elieser's und sein Verhältniß zu seinen Genossen weist deutlich darauf hin, daß gerade ihm, dem Anhänger der alten Halachah, der sich der neuen Strömung nicht fügte, sich dadurch den Bann zuzog und von seinen Genossen entfernt eine gesonderte Schule gründen mußte, die Anerkennung gezollt wird gegenüber der neuen Richtung, welche sich geltend machte. Das wird uns in Sifre, welcher zunächst aus der Schule des Jsmael, gleichfalls eines Schildhalters der alten Halachah, hervorging, nicht Wundern; es ist eine Ermunterung zum Festhalten an den einzig berechtigten alten Autoritäten, ein Protest gegen die neuen Emporkömmlinge. Aehnlich muß es sich mit Jochanan ben Sakkai verhalten. Ich will nicht behaupten, daß jüngere Geschlechter, namentlich sein Nach-