Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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266 II. Die neuesten Forschungen Hrn. M. Heß in französischer Bearbeitung angefertigt worden?) Hr. Gr. hat vor elf Jahren den dritten Band seiner Geschichte veröffentlicht. Wenn auch schon damals Sachkenner einsahen, wie unzuverlässig seine Behauptungen, wie gewagt seine Combinationen sind, wie die angeblichen Belege gar nicht den Inhalt des Textes begründen, wie flüchtig und durch den Schein getäuscht die Quellen benützt werden, so war man doch anerkennend für die neue Anregung, welche er zur Durchforschung des Gebietes gab, für die Lebendigkeit, mit der er den Gegenstand erfaßte und darzustellen sich angelegen sein ließ. Wenn er aber heute, nach einem solchen von Anderen nicht unbenützt gelassenen Zeiträume nichts Besseres zu geben weiß als den abgeblaßten Abklatsch des frühern gar sehr der Berichtigung bedürftigen Versuches, der statt verbessert zu sein mit neuen Flüchtigkeiten vermehrt ist, und noch dazu unter dem prunkenden Titel: Sinai und Golgatha, oder die Entstehung des Judenthums und des Christenthums, so ist das im hohen Grade betrübend. Man müßte eine ebenso große Schrift anfertigen, um alle Jrrthümer zu berichtigen, alle unbegründeten Annahmen in ihrem Unwerthe nachzuweisen, die mißdeuteten Stellen in's wahre Licht zu setzen. Das kann hier, wie überhaupt nicht meine Absicht sein, und es wird auch hoffentlich nicht nöthig sein. Das urtheilsfähige Publicum wird genügend belehrt sein, um den Roman von Samuel und seinen Prophetenschulen nicht als Entstehungsgeschichte des Judenthums gläubig hinzunehmen, um die Verkehrtheiten, welche über Pharisäer und Sadducäer, die Phantasieen, welche über Essäer vorgebracht werden, als geschichtliche Wahrheit zu betrachten. Biele gewagte Annahmen hat Derenburg schon Gelegenheit genommen zu berichtigen, und nur an einigen Orten hat er sich verleiten lassen, Zweifelhaftes zu adoptiren. 5) Die Wissenschaft wird sich durch solche abenteuerliche Sprünge nicht beirren lassen und ihren ruhigen Weg unverdrossen weiter wandeln. Den Blick von der vereinzelten trüben Erscheinung abwendend, mögen wir getrost der weiteren Entwickelung entgegensehen. Noch ist sehr Vieles zu thun, und zwar nicht blos auf dem biblischen Gebiete, wo die Methode und die Ahnungen des geschichtlichen Entwickelungs- 1) Sinai et Golgotha ou 168 origines du Judai'sme et du Christianisme, suivi d’un examen critique des Evangiles anciens et modernes par H. Graetz, pofesseur du seminaire Israelite de Breslau, traduit et mis en ordre par Maurice Hess. Paris 1867 VII und 420 S.