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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 4 (1867) · p. Seite 265

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
4 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 265 (sequence 25)
Language
German
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über Judenthum und Christenthum. 265 Thatsache durch eine andere ebenso dunkle, ebensowenig klar dargestellte erklären will . . . Das gänzliche Schweigen, welches die Evangelisten in Betreff der von ihnen nirgends erwähnten Essäer beobachten, wäre unerklärlich, wenn Jesus oder die Apostel die geringste Gemeinschaft mit diesen ״Philosophen" gehabt hätten, welche, nach Josephus, so schön die Mitte gehalten zwischen Pharisäern und Sadducäern. Wie? Jesus sollte ganz Galiläa durchschritten, sich an den Ufern des Tiberiassees verweilt haben, in Jerusalem eingetreten sein, ohne seine Brüder begrüßt, ohne ein gemeinsames Mahl mit ihnen eingenommen, ohne an ihren ernsten Gesprächen sich betheiligt zu haben? Oder es sollte etwa alles dies Wohl geschehen und keine Erinnerung davon durch seine Schüler aufbewahrt worden sein? Hier ist der Wissenschaft die größte Vorsicht auferlegt, wenn sie es vorzieht wahr zu sein als dem Abenteuerlichen nachzulaufen, wenn es ihr mehr am Herzen liegt zu erleuchten als zu frappiren" (S. 460 f). Denn ebensowenig wie die Grundschristen des Christenthums nimmt der Thalmud Notiz von den Essäern. Es lassen sich vielleicht einige Andeutungen finden, wo von besonders Frommen, von solchen, die tägliche Waschungen vornehmen, die Rede ist, es lassen sich diese Andeutungen, welche Hr. D. (S. 166 Anm. 2) zusammenstellt, 4) vielleicht auf die Essäer beziehen; aber nirgends erscheinen sie da als besondere Partei, sondern als Pharisäer, welche in dem einen oder andern Punkte eine erhöhte Sorgfalt an den Tag legen. Wir können hier den Gang der Untersuchung und lichtvollen Darstellung im Derenburg'schen Buche nicht weiter verfolgen, auch nicht das richtige Verständniß hervorheben, mit dem in das feine Geäder der späteren Schulen, der Abweichungen zwischen den Anhängern der alten und denen der jüngeren Halachah eingegangen wird. Genug, das Ganze ist mit voller Beherrschung des Stoffes, mit durchdringendem geschichtlichen Blicke und mit jener reinen Wahrheitsliebe behandelt, die sich nicht rasch Lieblingsmeinungen hingiebt, sondern mit keuscher Behutsamkeit das Ergebniß zieht. Solche Werke zieren die Literatur und fördern die Erkenntniß. Es ist höchst bedauerlich, daß dies nicht in gleicher Weise von einem andern Werke gesagt werden kann; ich meine eine ungefähr dieselbe Zeit behandelnde Arbeit des Hrn. Dr. Grätz, oder, um mich richtiger auszudrücken, einen Auszug aus dem dritten Bande der Grätz'schen Geschichte, welcher von ihm unter Mitwirkung des

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