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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 4 (1867) · p. Seite 264

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
4 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 264 (sequence 24)
Language
German
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264 II. Die neuesten Forschungen läufig unabwendbare Macht des Römerthums ruhig und suchen blos Verletzungen des religiösen Lebens fernzuhalten, ohne daß sie die Hoffnung in sich zu nähren aufhörten, diese Obmacht werde auf wunderbare Weise zersplittert werden und die sehnsüchtig erwartete Befreiungszeit eintreten. Die Namen ״Sadducäer" und ״Pharisäer" wurden allerdings später, wie Hr. D. richtig bemerkt, zu Spitznamen, die des tadelnden Beigeschmackes nicht ermangelten, wie er ihnen bei den gegenseitigen Anfeindungen der Parteien nothwendig sich ansetzen mußte; die Parteien selbst, welche nicht als solche gelten wollten, sondern als die berechtigten Vertreter des ganzen Volkes, benannten sich daher mit Bezeichnungen, welche diesen Anspruch ohne alle Parteimischung einschlofsen. Ursprünglich waren jedoch diese Namen der volle Ausdruck der Richtung und der Ziele; sie waren Ehrennamen, sie sind weit durchsichtiger als jede sonst gewählte Umschreibung, und der Name ״Pharisäer" als Vertreter der Gleichberechtigung bleibe ein solcher Ehrenname! Die nüchterne Abwägung kommt hingegen Hrn. D. sehr zu Statten bei der Beurtheilung der Es sä er. Die nebelhaften Versuche, diese mit Josephus uns als eine ebenbürtige, als eine dritte neben den zwei großen Parteien zu octrohiren, in ihr eine über- Haupt, namentlich aber für die Entstehung des Christenthums einflußreiche Richtung zu erblicken, weist Hr. D. mit gesundem Sinne aufs Entschiedenste ab. ״Die Essäer, sagt Hr. D. (S. 166), sind keine Partei, sie sind ein Orden, sie haben mehr eine Ordensregel als Grundsätze . . . Kein Grundsatz, ja nicht einmal ein Brauch gehört ihnen ausschließlich an. Sie sind Pharisäer, welche unter sich die Bande der Brüderlichkeit enger geknüpft, die Last gewisser Bräuche noch erschwert haben (173) . . . Grundsätze und Uebungen, sowie wir sie aus Josephus kennen lernen, dem Einzigen, welcher von ihnen als Zeitgenosse spricht, erscheinen als den Pharisäern entlehnt und durch einen unwissenden Mysticismus übertrieben. Josephus ist dazu ein sehr verdächtiger Zeuge, wenn es sich bei ihm darum handelt, die Glaubensrichtung einer Secte darzustellen. Es fehlt ihm an den nöthigen Kenntnissen wie an dem ernsten Willen zu einer genauen Darstellung. Auf einer so schwachen und wenig soliden Grundlage einen ganzen Bau von Voraussetzungen zu errichten, um die Entstehung des Christenthums zu erklären, erscheint uns, gelindestens ausgedrückt, als gefährlich. Die Einbildungskraft hat ein leichtes Spiel, sobald man eine unbekannte

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