Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2420973-2420997-2421000--1548-2422798- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
über Judenthum und Christenthum. 259 den demokratischen Grundzug ihres Wesens, ihren so vielfach documentirten Kampf gegen Priesteranmaßung kurz und energisch ausspricht, auf eine unverantwortliche Weise mißhandelt 1). Man verzeiht seine Aergerlichkeit, die ihn zu solchen Ausbrüchen verleitet; er folgt ja dennoch auf die neue Bahn. Ist es für das Christenthum eine hochwichtige Aufgabe, über die inneren Bewegungen und Parteibestrebungen innerhalb des zweiten jüdischen Staatslebens in's Klare zu kommen, um den Boden kennen zu lernen, aus und auf welchem Jesus und sein Anhang mit ihren Lehren und Bestrebungen erstanden sind: so ist dieser Zeitabschnitt bis zum Ende des hadrianischen Krieges von nicht geringerer Bedeutung für die dauernde Feststellung des Judenthums. Im Laufe desselben ist der Umfang der als heilig zu erachtenden biblischen Schriften, der Kanon, sowie deren Text, Lesung und Auffassung nach den herrschenden Vorstellungen festgestellt worden; aber auch die religiöse Richtung mit allen ihren Consequenzen bildete sich aus und gelangte zum Abschluffe, welche für die ganze Folgezeit — bis auf die neueste Gegenwart — die Juden beherrschte. Von da an betrachtete man dann lediglich als Aufgabe, sich gelehrt die damals gemachten Aufstellungen und Satzungen anzueignen, etwa noch weiter zu begründen, hie und da einzelne Consequenzen daraus zu ziehen; selbst in Zeiten, welche von andern wissenschaftlichen Bestrebungen erfüllt waren, suchte man blos diese mit dem überkommenen Feststehenden, so gut es eben gehen wollte, in Einklang zu bringen. Nimmermehr aber wagte man diese Richtung mit ihren Folgen selbstständig fortzubilden, durch die Erklärung ihrer Entstehungsweise, durch die Frage nach ihrer Berechtigung über sie hinauszugehen; des geschichtlichen Sinnes ermangelnd, nahm man sie als ein Fertiges an, als von ewigen 1) Soeben kommt mir das 3. Heft des Bd. XII der ״Jahrbücher für deutsche Theologie" zu, worin Holtzmann in einem Artikel: ״Die Messiasidee zur Zeit Jesu", mit dessen sonstigem Inhalte ich wenig übereinstimme, S. 399 f. Folgendes sagt: ״Die Pharisäer dachten sich das kommende Reich als auf Grundlage des allgemeinen Priesterthums, durch Herstellung einer allgemeinen Gesetzlichkeit und Gerechtigkeit sich erbauend. Dies war das Princip, welches sie gegen die saddueäische und priesterliche Aristokratie zur Geltung zu bringen suchten. ״Gott hat Allen das Erbe, das Priesterthum und die Heiligung gegeben, — diese Worte des zweiten Makkabäerbuches enthalten das demokratische Programm des Pharisäerthums." 17*