Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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über Judenthum und Christenthum. 257 risäischen Gestaltung des Judenthums. Man kann nun, kaum ein Jahrzehnt nachdem die neue Auffassung sich zuerst hervorgewagt, schon zuversichtlich sagen, daß sie durchgedrungen ist trotz dem Widerstreben und der Hartnäckigkeit, welche Einzelne entgegensetzen 1). Jene alte Vorstellung, in den Pharisäern starre Gesetzesknechte zu erblicken, die, sei es aus Beschränktheit oder gar aus gewinn- und herschsüchtiger Heuchelei, die überkommenen Gesetze in ihre kleinsten Fasern zerlegten, sie fortspannen und so aus eitler Lust oder in Trug immer größere Lasten häuften, jenes Wahngebilde ist als ein trüber Schatten der eignen Phantasie erkannt und verdrängt. Sadducäer und Pharisäer müssen in ihrem gegenseitigen Verhältnisse, nach der verschiedenen, vorzugsweise in ihrer Abstammung wurzelnden Lebensstellung, nach der Gesammtheit der religiöspolitischen Bewegungen und Bestrebungen im damaligen Volksleben begriffen werden. Nur so erklären sich die Ereignisse, erklärt sich der glänzende Sieg des Pharisäismus, erklärt sich seine fortdauernde Lebenskraft neben und trotz so mancher Mißgestaltung, erklärt sich endlich, wie der Messianismus, welcher den Anspruch erhob, die an ihn geknüpften Erwartungen seien nun in Erfüllung getreten oder harreten der unmittelbaren Erfüllung, kurz wie das Christenthum sich aus ihm entwickelt hat. Man ist jetzt auf christlicher Seite eifrig darauf bedacht, die natürliche Entstehung des Christen- Lhums sich begreiflich zu machen und deßhalb auch sich genauer mit dem Boden bekannt zu machen, auf dem es erwachsen ist; da mußte es nun hoch willkommen sein, einer Auffassung zu begegnen, welche in das tiefste Volksleben und in das Wesen der in ihm wogenden Parteien eindringen läßt, und man hat sie mehr oder weniger aufgenommen und zu verarbeiten gesucht. Das Verdienst ihr in jenen Kreisen Eingang verschafft zu haben, gehört Hausrath, der sie zuerst in Krause's Protestantischer Kirchenzeitung vorgeführt, mit gutem Verständnisse und mit feiner Bekämpfung der bis dahin 1) Deren bürg in der bald zu nennenden Schrift in der Anmerkung über ״Origine cles Pliarisiens et des Sadduceens“ S. 452 sagt: Depuis 1857, anuee ou parut l’Ursclirift, cette partie de l’liistoire, si importante pour les origines du christianisme, a change de face parce qu’on appreciait inieux l’esprit et les tendances de l’dpoque; on a snivi quelquefois avee une humeur reealeitrante 1a voie frayee par 16 savant rabbin; mais n’importe, on 1'a suivie saus se l’avouer, so uv ent sans le nommer. 2Zier,׳lel1ahrsschrift V. 4. 17