Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 II. Die neuesten Forschungen Bestreben, dem Volke seine Berechtigung auf sein Land, dem oder jenem Stamme die Besugniß zur Führerschaft zu befestigen oder die Unwürdigkeit dazu bloszulegen. An diesem Bestreben gewinnt der Monotheismus Kraft und Bestand, in ihm scheidet sich auch religiös der Jsraelismus und Judaismus, aus ihm bildet sich als Nachwuchs Samaritanismus und Judenthum. Von dieser Behändlungsweise der alten Geschichte sind bisher nur Andeutungen gegeben, die ihrer vollen Ausführung noch entgegenharren; aber es ist offenbar, daß man tastend, unbewußt sich ihr nähert. Daß dieses Tasten auch innerhalb des jüdischen Kreises begonnen hat, daß man auch hier ohne Scheu nunmehr Fragen der biblischen Kritik erörtert, zeugt von dem guten Bewußtsein, daß man mit solch muthigem Borschreiten nicht etwa in die Gefahr kommt, edle Theile des Judenthums zu verletzen, daß man vielmehr der dauernden geistigen Macht sicher ist, welche um so gewisser und reicher zur Entfaltung gelangt, wenn man sie von den beengenden zeitlichen Formen, in denen sie ausgetreten, zu lösen, ihre Gestaltungen nach ihrem natürlichen Verlaufe zu erklären unternimmt. Ein muthiges kühnes Werk in solchem Sinne ist z. B. die Bearbeitung des dritten der pentateuchischen Bücher von Hrn. Dr. M. Kalisch, welche, weit hinausgehend über die des zuerst erschienenen Exodus (1855), der nur von einem einfach fast nur an das Wort sich anschließenden Commentar begleitet war, weit über die der drei Jahre später erschienenen Genesis (1858), die zaghaft, apologetisch an die tieferen Fragen heranging, nunmehr x) nich; blos über Opfer- und Priestergesetze mit allem Freimuth, sondern in gleicher Weise über die Offenbarung und die Authentie der Bücher ohne alle Rücksicht spricht, was zumal dem in England Schreibenden sehr hoch anzurechnen ist. Eine Ahnung des neuen Gesichtspunktes finde ich in der Wahl der Stoffe, welche in neuerer Zeit Hr. Prof. Graf für seine Arbeiten trifft. Er wendet sich der Betrachtung der Stämme zu, sucht deren Stellung zu den verschiedenen Zeiten, deren Specialgeschichte, zu erkennen; seiner Abhandlung ״über den Stamm Simeon" 1) A historical and critical commentary of the old Testament, with a new translation, by M. M. Kaliseb, Phil. Dr., M. A. Leviticus. Part I. Containing chaptres I to X, with treatises on sacrefices and the Hebrew priesthood. London 1867. XXXVI u. 708 S. und 18 S. hebr. Text.