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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 4 (1867) · p. Seite 251

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
4 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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I. Kley und Rapoport. 251 ständigen Umgestaltung seiner Erscheinung. Nun gilt es ein Höheres: die innerste Lebenskraft, die dauernden religiösen Wahrheiten des Judenthums zu erkennen, dieses in seiner geschichtlichen Entwickelung zu begreifen, die zeitlichen Mittelstufen, die Unvollkommenheiten, mit welchen es nothwendig zuerst ausgetreten, die es im Gange der Ereignisse, im Wechsel der auf es geübten Einflüsse bald abgestreift bald noch mehr verengend erfahren, zu überwinden, es nach dem von uns gewonnenen tieferen Einblicke, angemessen den Anforderungen der Gegenwart, zum reinen Ausdrucke, zur geläuterten Darstellung zu bringen, und als eine Folge davon soll auch der Gottesdienst in verjüngter Gestalt hervortreten. Wir sind auch jetzt mit Rapoport noch eifrig beschäftigt, die Thatsachen des Mittelalters zu erkennen und zu begreifen, die wirkenden Personen jener Zeit zu würdigen; allein wir erblicken in dem Mittelalter nur eine Durchgangsstufe, die unsere Gegenwart vorbereitet, aber die bestimmenden Ideen gehören der biblischen und thalmudischen Zeit an, die dann nur in Verfestigung weiter verarbeitet worden. Wie das Judenthum entstanden, allmälig die biblische Gestalt gewonnen, wie die verschiedenen Bewegungen innerhalb desselben sich dort in einer Zusammensetzung verdichtet haben, deren einzelne Schichten wir jedoch sondernd erkennen müssen, wie aus denselben Triebkräften das Gesetz zur thalmudischen Erweiterung vorgeschritten und immer mehr in den Vordergrund getreten ist, daran endlich das Mittelalter mühsam, oft verdienstlich und dennoch blos mit kargen Erfolgen sich abgearbeitet hat, wie der Beruf der Gegenwart es nun ist, den Geist wieder aus diesen versteinerten Gebilden zu erlösen und so das Judenthum als lebenspendende geistige, religiöse Macht in das geschäftige Gewühl der Menschheit einzuführen: das ist eine weltgeschichtliche Aufgabe, zu der sich die Zeit ihre Organe sucht und — finden wird. Weilen wir sinnend bei historisch gewordenen Namen, ehren wir ihr Andenken; dann aber muthig vorwärts, neuen Zielen entgegen! Nicht der Moderduft der Vergangenheit, wie er aus den Gräbern aufsteigt, darf den Sinn uns betäuben, sondern der belebende Hauch der Zukunftsluft wehe uns entgegen! Kleh und Rapoport leben fort, wir aber wollen im Leben mitten drin stehn. 30. October.

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