Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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250 I. Kley und Rapoport. ohne, wie seine reiche Begabung es möglich machte, rüstig mitzuschaffen. Eine solche Betrachtung, wie die Zeit ohne Erbarmen über Männer schon während ihres Lebens hinwegschreitet, die eine Zeit lang berufen waren eine historische Mission zu erfüllen, hat etwas recht Wehmüthiges an sich; möge sie auch Allen die vielleicht oft vergebliche Mahnung an's Herz legen, mit wachem Ohre den Regungen der fortschreitenden Ideen zu lauschen, sich nicht mit den errungenen Erfolgen zu begnügen, sondern in rüstiger Arbeit an eigener Vervollkommnung, in weiterem Schaffen thätig zu sein. Wir bleiben nur im Contacte mit dem vorwärtsdrängenden schöpferischen Geiste der Geschichte, wenn wir uns nicht blos ausnehmend, still beurtheilend, sondern selbst rege mit eingreifend Verhalten; auch dann wird es nur Wenigen vergönnt sein, bis zuletzt sich auf der Höhe der Zeit zu erhalten. Und dennoch! Ist es nicht genug, wenn es dem Einzelnen gelingt, sich zu einem bemerkbaren Marksteine auf dem großen Wege der Geschichte zu machen? Daß er früher oder später überschritten wird, — darf es anders sein? oder soll der Drang der Menschheit warten, bis er zögernd den Fuß miterhebt? Ehren wir die Männer, welche den Fortschritt vorzubereiten, die Erkenntniß zu erhöhen, ihre Kraft eingesetzt haben, aber ehren wir noch mehr den Gottesgeist, der in der Geschichte der Menschheit unaufhaltsam veredelnd sortwirkt, der immer neue Werkzeuge zu seinen erweiterten Planen sich schafft, bringen wir ihm nnsere Huldigung dar, indem wir nicht selbstisch unsere Neigungen zum Maßstabe des Urtheils, zur Triebfeder unseres Wirkens, sondern willig unsere Kraft seinen Mahnungen dienstbar machen. Aus solcher selbstlosen Hingabe schöpfen wir Erhebung; denn es ist ein Großes um die rasche Fortentwickelung, welche sich in den Geistern vollzieht, und wenn wir uns das Bewußtsein klar erhalten, wie die Aufgaben wachsen, wie sie dem Ziele immer mehr entgegenstreben, so wachsen auch wir mit ihnen und leben in frohmuthiger Aussicht auf die Zukunft, nicht in wehmüthigem Rückblicke auf vergangene abgeblaßte Bestrebungen. Auch unsere Zeit hat ihre Aufgaben in raschem Vorandrängen mächtig erweitert, erhöht. Wohl ist sie noch mit Kley .in Mitten der Arbeit um die Verdlung des Gottesdienstes, allein sie erkennt darin nur einen Ausdruck für eine fortgeschrittene Einsicht in das wahre Wesen des Judenthums, ein einzelnes Glied in der voll-