Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Kley und Rapoport. 249 zu brechen, das Licht der Wissenschaft in dem herkömmlichen Judenthum anzuzünden; dessen alte Gelehrsamkeit war doch nun einmal sein vertrautes und liebes Gebiet, selbst schriftstellerisch war er auf die hebräische Sprache beschränkt. Ihm genügte es, wenn die alte Frömmigkeit eine gemäßigte war und nicht wissensfeindlich; das Streben des fortschreitenden Rabbinismus, der die Versöhnung des Judenthums mit der deutschen Bildungsstufe anzubahnen beflissen war, der daher für mehr oder minder eingreifende practische Reformen kämpfte, wurde ihm nicht sympathisch, erschien ihm in seiner Berechtigung Zweifelhaft, in seinen Folgen bedenklich. Die Wissenschaft, welche voranschreitend sich höhere Ziele vorsteckte, Geschichte des thalmudischen dann auch des biblischen Judenthums zu ergründen und nachzuweisen kühn als Aufgabe ergriff, war ihm, trotzdem daß er selbst Ansätze dazu in sich verspürte, auch Anläufe dazu nahm, eine gefährliche Erschütterung aller Grundlagen. Er hatte zwar selbst eigenthümliche Einflüsse angedeutet, welche die Herrschaft der babylonischen Gemara herbeiführten, und dennoch als es galt, deren geistknechtendes fortgeltendes Machtgebot zu brechen, trat er bange zurück. Schon im Jahre 1837 erklärte er in einem Absage- Briefe an mich seine Abwendung von dem fortschreitenden Rabbinismus, im Jahre 1845 glaubte er die zweite Rabbiner-Versammlung bei ihrem Zusammentritte mit einer schulmeisternden Abmahnung begrüßen zu müssen und später noch nahm er plänkelnd bald hier bald dort den Kampf gegen neuere Richtungen auf. Es fehlte ihm nicht an bibelkritischer Einsicht, er sprach von einem zweiten Theile des Jesaias, d. h. von dessen späterer Abfassung, von makkabäischen Psalmen u. dgl.; als jedoch die biblische Kritik Ernst zu machen begann mit ihren Untersuchungen, die Entstehung und Ausbildung der biblischen Schriften Zu beleuchten, neue Wege zur Erklärung zu bahnen unternahm, da erschrak Rap. in banger Entrüstung und mußte seinem Unmuthe Worte leihen. So entschwand ihm allmälig das Verständniß für die bewegenden geistigen Ideen, und so mußte auch die Frische in seinem engeren Gebiete vertrocknen. Er lebte mit Betheiligung an der Zeit; seine geistige Regsamkeit, sein lebhaftes Naturell ließen kein stilles Abwenden zu, aber es wurde eine widerwillige abwehrende Theilnahme. So trieb denn um ihn her die Strömung munter fort, ohne daß er, der sie mit aus der Versumpfung erzeugt, fröhlich mit hineinsteuerte; so weilte auch er, umgeben von der regsten wissenschaftlichen Lebendigkeit,