Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 I. Kley und Rapoport. eine reiche Schaar von Jüngern, die von der neuen Wissenschaft mächtig angeregt, uns mit einem Blüthenregen neuer Untersuchungen und Entdeckungen überschütteten. Neben mancher tauben Blüthe gab es doch viele duftende, neben mancher kleinlichen Gelehrtenspielerei erstanden gediegene fördernde Arbeiten. Und Rapoport selbst? setzte er das Werk, das er begonnen, nicht fort, erweiterte, vertiefte er nicht die Aufgabe, deren erste Lösungen so glücklich und so anregend von ihm unternommen worden waren? Es erschien auch später von ihm noch manche verdienstliche Ab- Handlung, allein der Duft, die lebendige Frische der ersten Arbeiten war da nicht vorhanden, noch weniger war eine Vervollkommnung, ein weiter gestecktes Ziel wahrnehmbar. Von ihm wie von Kley muß bekannt werden, daß seine erste That seine eigentlich einflußreiche war, den Inhalt seines Geisteslebens ausmacht, ihn allein zur historischen Persönlichkeit erhebt. Für Kley hatte es kein anderes Ziel gegeben als eine aufgeklärte Erziehung mit einem dieser gemäßen Religionsunterrichte und einen geläuterten Gottesdienst. Höhere wissenschaftliche Erkenntniß lag ihm fern, das geschichtliche Verständniß erschien ihm als Beschäftigung mit Ueberwundenem werthlos. Als die Zeit nun nach diesen Aufgaben hin sich mit Vorliebe wendete, ward sie ihm unverständlich, sie erschien ihm mit Seltsamkeiten zu spielen, er verlor das sichere Vertrauen zur gesunden Entwicklung, er sah in ihr ein ewiges Hin- und Herschwanken, oft bedauerlichen Rückfall und ward mißmuthig. Schon um 1835, als ich die Herausgabe meiner ersten Zeitschrift unternahm und ihn gleichfalls zur Theilnahme aufforderte, bekannte er offen seinen Mangel an Vertrauen zu allem reformatorischen Wirken; das muthige und frische Auftreten des fortschreitenden Rabbinismus imponirte ihm einige Zeit, belebte seine Hoffnungen, aber als sie sich nicht so rasch verwirklichten, als der Kampf die verschiedensten Richtungen erzeugte, da sank das Vertrauen wieder mehr und mehr. So wirkte sein Werk fort, ohne daß er selbst es fortsetzte; so weilte er in Mitten der von ihm mit angeregten Bewegung, ohne sich an ihr thatkrästig zu beiheiligen. Er war längst vom Schauplatze getreten, als er noch auf ihm wandelte. Auch Napoport's, wenn auch viel reicher angelegte Natur brach an der Unfähigkeit, mit den gesteigerten Anforderungen und der weilergehenden Entwickelung der Zeit gleichen Schritt zu halten. In seinem heimischen Kreise genügte es ihm die starre Unwissenheit