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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 4 (1867) · p. Seite 246

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
4 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 I. Kley und Rapoport. schleppen der Geistlosigkeit wahrgenommen wurde. Der Gaon Hai war kein Vermittler der freien Wissenschaft mit der herkömmlichen religiösen Anschauung; er verlangte nicht die Verbindung beider, wie ihm Rapoport, durch eine ältere Interpolation verführt, beilegen zu dürfen glaubte; er war der Pflege der Philosophie, den freieren Bestrebungen, wie sie vor ihm von geistesstarken Männern hochgehalten und genährt worden, abhold, wenn er auch nicht ohne allgemeine Bildung war und nicht des gesunden Menschenverstandes spottete. Der sehr verzeihliche Jrrthum mag in etwas das Bild Hai's verschoben haben, aber er hinderte nicht, daß uns die kräftige Persönlichkeit dieses letzten, eine staunenswerthe und einflußreiche Thätigkeit entfaltenden Gaon in ihrer ganzen Bedeutung vorgeführt wird; der bestimmende Wirkungskreis dieses eine Zeit lang dem ganzen Judenthum vorstehenden Instituts, des Gaonats, dessen bedeutendste Träger, die von den Geonim gepstegte, fast bis zur Eifersucht sich steigernde Sorgfalt um den Vorzug Babyloniens, der weit hinauf in das höhere Alterthum ragen sollte, die Studienweise jener für den Abschluß des Thalmudismus maßgebenden Zeit und Schulen, die schon damals versuchte Auseinandersetzung zwischen nüchterner Erkenntniß und legendenhafter Agadah — dies Alles wird zu schöner Klarheit gebracht, eine Masse von Einzelbelehrungen knüpft sich daran, und wiederum gewinnen wir eine verschärfte Einsicht in den thalmudischen Entwicklungsgang des Judenthums. — Bei der Behandlung Nathan's ben Jechiel, bei der Besprechung seiner Lebensthat, nämlich seines bedeutenden Werkes, des thalmudischen, midraschischen und thargumischen Wörterbuches Aruch mag Rapoport in der selbstständigen Erklärung mancher Wörter aus diesem Sprachgebiete geirrt, ihm überhaupt die sprachliche Sicherheit im Semitismus und Classicismus gefehlt haben, allein eine wichtige Duelle für die jüdisch-mittelalterliche Literaturgeschichte hat er uns in einer vortrefflichen Weise erschlossen. Neben der auf guten Traditionen fußenden Zuverlässigkeit, die er für die Erklärungen des Aruch nachweist, erblicken wir durch Rap. in diesem einen sichern Führer auf bekannten und doch nicht immer richtig erkannten Gebieten und zugleich einen solchen, der uns unbetretene Pfade erschließt. Wir lernen die alten und bewährten Lesarten des Thalmnd kennen, der Blick wird auf die ursprüngliche Gestalt des jerusalemischen Thargum gelenkt, das für den Pentateuch identisch mit dem Pseudojonathan, für die Hagiographen

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