Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Kley und Rapoport. 245 phien treten bedeutende Männer hervor in ihrer vollen Lebenskraft, ihrer ganzen Thätigkeit, wie sie aus ihren Werken, aber auch aus einzelnen oft abgelegenen Notizen zusammengestellt, nicht selten scharfsinnig, intuitiv erschlossen werden mußte, nach ihrer scharf ausgeprägten geistigen Individualität, zuweilen auch nach ihren Stimmungen und Trübungen. Aber auch die ganze Zeit, in der sie wirkten, wurde lebendig, die vorangegangene Entwicklung, in die sie eintraten, von der sie getragen wurden und auf die sie fördernd oder umgestaltend einwirkten, der Einfluß, den sie auf die Zukunft ausübten; die Gebiete, innerhalb welcher sie vorzugsweise thätig waren, zeigten sich in ihrem allmäligen An- und Ausbaue. Kurz, es waren geschichtliche Gemälde, hell beleuchtet, geistgetränkt, und wenn auch hie und da der überlieferte Torso nur nach Vermuthung ergänzt war, manche kühne Vermuthung später fallen mußte, so war doch für jede Ansicht ein verständiger Nachweis geliefert, und jedenfalls war Richtung und Methode von einem neuen Leben durchströmt, daher anregend und für alle spätern Arbeiten auf diesem Gebiete bestimmend. Elasar Kalir war allerdings nicht aus Italien, wie Rapo- Port behauptete, sondern wahrscheinlich Palästinenser, er blühte sicher um ein ganzes Jahrhundert früher als R. feststellt, in der Mitte des neunten Jahrhunderts, er hat sich Wohl an der Verewigung seines Namens durch die zahlreichen Akrostichen seiner Gedichte genügen lassen und nicht noch durch künstliche Buchstabenzahlberechnung (Gimatrias), wie R. ihm unterstellt, denselben seinen Productionen einverwebt. Allein was thut dies? Ein lebendiges Bild von KUir's schöpferischer Paitanthätigkeit, welche sich die spätere Zeit Zum Vorbilde nahm, erhalten wir dennoch, seine Anschauung und Kunstweise werden uns klar, und was noch mehr ist, der Einblick in den ganzen Gang der Liturgie, wie diese allmälig herangewachsen, in der reichsten Mannichfaltigkeit sich in verschiedenen Gegenden ausgebildet, wird uns eröffnet — woran dann später ausbauend sich eine fruchtbare, ja fast überüppig wuchernde wissenschaftliche Forschung anlehnte —, der Blick wird auf die Verschiedenheit zwischen der palästinischen und der babylonischen Richtung und Gelehrsamkeit auf diesem wie auf andern Gebieten gelenkt, kurz eine ganze Geschichte jüdischer Wissenschaft wird in ihren Umrissen gezeichnet, eine Strömung des Geisteslebens in seiner Mannichfaltigkeit aufgedeckt, wo bis dahin nur ein träges Hin-