Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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244 I. Kley und Rapoport. vielen Schätze des Bodens zu heben, begann damals in allen strebenden Geistern lebendig zu werden. Die historische Richtung, welche noch heute so mächtig und fruchtbar ist, als die vorzugsweise berechtigte, wenn richtig angewandte Methode gilt zur Erklärung des Vergangenen, zur Fortentwickelung des Gegenwärtigen und gesunden Vorbereitung der Zukunft, nahm damals allerwärts ihren lebenskräftigen Anfang. Die gründliche Durchforschung des Mittelalters hat seitdem zu manchen Mißgestalten, zur Vorliebe für dessen Entartung geführt; allein diese Auswüchse haben den Werth der Richtung selbst nicht vermindern können. So war eine historische Anschauung in der ganzen Zeit entstanden, die sich nicht damit begnügte genauer zu wissen was ge- Wesen — obgleich auch in dieser Beziehung noch Vieles neu aufzufinden, Vieles zu berichtigen war und bis zur Stunde noch ist —, nicht damit, von hohem Sockel aus ein abschätzendes Urtheil über die frühern Leistungen abzugeben, die es vielmehr als ihre wesentliche Aufgabe betrachtete zu erkennen, wie Alles geworden, welche geistige Mächte daran gearbeitet, wie tiefliegende Triebfedern, der rastlos im Innern wirkende Menschheitsgeist, seinen Einfluß übte, die Bewegung unterhielt, ihr Richtung und Ziel gab, oft ohne klares Bewußtsein der thätig mitarbeitenden Werkzeuge, oft Wider ihren Willen. Es ward einer neuen Offenbarung nachgespürt, die in dem Geiste der Geschichte, in dem Geiste der fortschreitenden Menschheit sich vollzog. Diese allgemeinen Bestrebungen fanden ihren Nachklang in befähigten jugendlichen jüdischen Männern, die, von dem Geiste der neueren Wissenschaft getragen, sie auch im Judenthum zur Geltung bringen wollten. Schon hatte Zunz die ganze Aufgabe von seinem Gesichtspunkte aus skizzirt, in dem ״Leben Raschids" auch eine Probe geliefert, wie ein mittelalterlich einflußreicher Mann zu behandeln sei. Da trat Rapoport auf. Er stand dem Brennpunkte dieser deutschen Bestrebungen fern, War aber dennoch von deren belebendem Hauche angeweht; er war nicht regelmäßig vorgebildet, hatte aber autodidaktisch sich mannichfache Kenntnisse erworben und seinem Geiste methodische Zucht angeeignet. Allein er war mit dem ausgebreiteten thalmudischen und rabbinischen Wissen ausgerüstet, mit dem eindringenden raschen Scharfsinne versehen, wie er den polnisch-jüdischen Gelehrten eignet. Er hatte einige Zeit belletristisch-dilettantisch umhergetastet, aber nun erkannte er sein Gebiet und seine Kraft darin. In seinen Biogra-