Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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242 I. Kley und Napoport. daß der erste Drang mehr das unmittelbare Bedürsniß zu besriedigen antreibt als die volle Gestaltung nach erkannten Principien, wir dürfen es uns auch nicht verbergen, daß, wenn auch die Antriebe zur gottesdienstlichen Umgestaltung sich unterdessen sehr vertieft haben, die Berechtigung dazu mehr erkannt, die geschichtliche Entwicklung des jüdischen Gottesdienstwesens weit gründlicher erforscht worden, daß dennoch die Gährung sich auch gegenwärtig noch nicht geklärt hat und kaum irgendwo die Anforderung der weithin als nothwendig erkannten gottesdienstlichen Umgestaltung einen so entschiedenen Ausdruck gefunden wie im Hamburger Tempel. Wir stehen noch mitten in der von diesem angeregten und thatsächlich vollzogenen Bewegung, das Wirken Kley's, das sich mit dessen Entstehung und gedeihlicher Erhaltung identificirt, ist noch heute eine treibende Kraft, welche zu ihrer vollen Ausgestaltnng hindrängt, in immer weiteren Kreisen und schärferer Ausprägung sich bethätigt. So gehört Kley keineswegs einer überwundenen Entwickelungsstufe an; er, seine Anregung, ist noch in jeder Cultusbewegung gegenwärtig. Salomon Löb Rapoport, der in der Nacht vom 15. auf den 16. d. M. in Prag verschieden, ist etwa ein Jahr später als Kley, 1. Juni (19. Siwan) 1790 in Lemberg geboren, seine eingreifende Wirksamkeit trat jedoch erst ungefähr ein Jahrzehent später hervor als die seines Altersgenossen. Seine Hauptthat und sein unvergängliches Verdienst sind die von ihm am Ende der zwanziger Jahre gelieferten Biographien hervorragender mittelalterlicher Nabbinen, in denen mit umfassender gründlicher Gelehrsamkeit und mit überraschendem geschichtlichem Scharfblicke die tiefliegenden inneren Entwicklungsgänge des mittelalterlichen Judenthums aufgewiesen wurden. Beide Männer bildeten eine naturgemäße Aufeinanderfolge. Kley, der Hamburger Tempel, knüpfte an die Periode der Aufklärung, an den Eintritt der Juden in die das gesammte deutsche Volk neubelebende Bildung an. Die Juden, aus der Mittelalterlichen Absonderung von der bürgerlichen Gesellschaft wie aus der damit verknüpften geistigen Erstarrung hinaustretend, begnügten sich damals nicht damit, sich an den edlen Gütern der allgemeinen Bildung als Individuen zu betheiligen, ihre neugewonnenen freieren Ueberzeugungen als solche in ihrem Leben zu bekunden, sie fühlten nunmehr das Verlangen, auch als Gesammtheit ihre Umgestaltung darzulegen, namentlich in dem gemeinsamen öffentlichen religiösen