Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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160 ' VIH. Feststellung der jüdischen Kalenderberechnmig. Regeln gar nicht mehr möglich sind, werden daher von ihnen nicht als blos ersonnene Probleme, als Spiele einer müßigen Phantasie, sondern als wirkliche Thatsachen behandelt, die Stützen, welche man in einigen mit Jrrthum vermischten Stellen findet, erklärt Raschi geradezu als vollkommen gebrechlich.x) Seinen eigenen gar fünft־ lichen Weg geht Maimonides. Während er zugiebt, daß solche Festverschiebungen ehedem nicht Statt gefunden (Comm. zu Mischnah Menachoth 11, 7), will er (Kiddusch ha-Chodesch VII, 7) dieselben damit erklären, daß die Berechnung im Allgemeinen nach einem mittleren Calcül, der für uns sichtbaren ״Verjüngung" des Mondes festgestellt sei; das sei aber nicht die vollkommen richtige, welche von dem eigentlichen factischen Eintritte der ״Verjüngung" zu datiren sei. Die Festverschiebung solle nun die Differenz ausgleichen. Das sind aber willkürlich ersonnene Annahmen, die ebenso alles geschichtlichen Haltes wie aller wissenschaftlichen Begründung entkehren. Sein Kritiker, der derbe Provenzale AbrahambenDavid sagt daher mit Recht zu dieser Stelle: ״Der Verfasser rühmt sich sehr im Besitze dieser Wissenschaft (der Astronomie) zu sein; ich nun verstehe Nichts davon, darum wollte ich seinen Erörterungen nicht nachgehen. Aber an dieser Stelle kann ich mein Befremden nicht unterdrücken. Was haben denn die drei Wochentage verschuldet, daß sie gerade und nicht die andern wegen Ausgleichung der Differenz verdrängt werden? Was uns überliefert ist, ist einfach Dies, daß man den Weidentag nicht am Sabbath, den Versöhnungstag nicht unmittelbar vor und nach demselben begehen wollte. Der Verfasser aber erscheint mir als ein in der Irre Taumelnder." Mit dkm dreizehnten Jahrhundert verliert das theologische Leben alle Selbstständigkeit, das Iudenthum versinkt in gedankenlose Erstarrung; die tieferen Fragen werden gar nicht mehr aufgeworfen, kaum verstanden. Man glaubte die Wissenschaft zu pflegen mit 1) Raschi zu Peßachim 58b bemerkt, daß die Wahl gerade des Montag in dem Ausspruch, das Verfahren am Rüsttage des Peßach, wenn er auf den Sabbath treffe, sei gerade wie wenn er am Montag sei, keine absichtliche sei, es werde nur beispielsweise irgend ein Wochentag genannt. Die Annahme Einiger — die Ansicht, welche wir oben von Chananel gehört und die R. vielleicht im Auge hat —, der Montag sei der erste Wochentag, auf welchen der Rüsttag treffen könne, weil Dies nämlich am Sonntag nach den Kalenderregeln unstatthaft sei, sei haltlos, da ja zur Zeit der Thannaim die Feststellung des Neumondes nach dessen Sichtbarwerden, nicht nach Berechnung vorgeuommen worden.