Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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148 vm. Feststellung der jüdischen Kalenderberechnung. sprechen nun alle historischen Zeugnisse aufs Unzweideutigste. Allein was weiß der resolute Apologetiker nicht umzudeuten, wofür nicht scheinbare Beweise aufzufinden? Saadias Gaon dürfte der erste sein, der in die Bibel und in die älteren Bestandtheile des Thalmud die Kalenderrechnungs-, ja auch die Verschiebungstheorie hineintragen will; sein gewaltsames Verfahren hat die karäischen Gegner mit Recht zu den erbittertsten Angriffen gegen ihn geführt. Wenn es an so vielen Orten heißt: trifft der Versöhnungstag u. s. w. auf den oder jenen Tag — an dem es nach der Theorie nicht Statt haben kann —, so soll, meint er, Dies blos heißen: Gesetzt, es könnte ein solcher Fall eintreten, so müßte dann die Entscheidung also getroffen werden, also ein Ausspruch über ein ״Problema", das nie zur Wirklichkeit geworden und nie werden kann, noch unnützer als die ״Entscheidungen für die Messiaszeit", die דגילכתא למכוידזא. Und die Annahme, daß Mischnah und Baraitha's sich zu solchem Zeitverderb, zu solchem Spintisiren über undenkbare Fälle hergegeben, nennt man — Rechtfertigung, rationelle Ausgleichung der Schwierigkeiten! Saadias' Verfahren in diesen wie in ähnlichen Punkten ist schon hinlänglich charakterisirt. Seine Verdienste werden dadurch nicht beeinträchtigt; aber er ist und bleibt ein gewaltsamer Apologet. Ihm folgte aber darin auch Chananel ben Chuschiel, der sonst besonnene afrikanische Gelehrte aus der ersten Hälfte des 11. Jahr- Hunderts. Eine Hauptstelle, in der Chan, ausführlich diese unrichtige Behauptung betont, hat bereits Bechai ben Ascher in seinem Commentare zu 2 Mos. 12, 2 mitgetheilt, und Rapoport hat in seiner Biographie Chananels (S. 44 ff.) dieselbe nach ihrer Bedeutung gewürdigt. Eine andere Stelle giebt Obadiah der Commentator zu Maimonides Kiddusch ha-׳Chodesch VII, 7. Um seine Theorie zu retten, scheut sich dort CH. nicht zu behaupten, die angesehensten Thalmudlehrer, wie Meir, Ulla und Acha hätten von den geheim gehaltenen Regeln der Kalenderberechnung Nichts gewußt und dadurch Irriges ausgesprochen. So verführt die unberechtigte Vertheidigung zur falschen Anklage! Der nun neu erschienene Commentar Ch.'s zum Tractate Peßachim (Paris 1868. 232 S. 8) bietet uns noch einige Proben dieser Zwangsapologetik. Die Mischnah Peßachim 7, 10 bestimmt, daß was vom Peßachlamme übrigbleibt, wie Knochen, Adern oder sonst Nichtverzehrtes, erst an dem auf den Festtag folgenden Tage, also am 16. Nißan verbrannt werden