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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 2 (1868) · p. Seite 147

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
2 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 147 (sequence 67)
Language
German
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VIII. Feststellung der jüdischen Kalenderberechnung. 147 So ging es eine Zeit lang ohne Anfechtung weiter fort.l) Erst dann als der Karäismus seine Angriffe gegen den Rabbinismus richtete und auch diesen Punkt zu seinem Kampfe benützte, begannen die denkenden Rabbinen, welche die Vertheidigung führten, stutzig zu werden. Mit welchem Rechte, fragten sie sich, sollte man im fünften Jahrhunderte solche tiefgreifende Aenderungen vorzunehmen haben wagen können? Die alte Pharisäerkraft, die Macht der in sich selbst Brief und Siegel Gottes tragenden geschichtlichen Bewegung war in ihnen erlahmt; die Wissenschaft, welche sie nun belebte, war philosophischer Dogmatismus, logische Formel. Was wollten sie nun, deren Gesetz die Spuren der Veränderung durch die Geschichte überall an sich trug, die aber die Berechtigung der Geschichte nicht anzuerkennen wagten, den Karäern antworten, die ebenso die Geschichte leugneten, aber auch consequenter, freilich auch starrer, sich vor ihrem Einfluß bewahrten? In der Bedrängniß der Vertheidigung fälschten sie, wenn auch in aller frommen Unschuld, die Geschichte. Männer wie Saadias, Chananel ben Chuschiel u. A. stellten die Behauptung auf, es sei von jeher die Kalenderberechnung mit allen ihren Verschiebungen eingeführt gewesen, die Zeugenaussagen von dem Sichtbarwerden des Neumonds seien nur nebenher gegangen. Dagegen selbst eine neue Fassung der Worte der Baraitha, die das Sinnlose in den Worten Akiba's beläßt, aber auch die Worte Jsmael's verunstaltet, wenn sie auch deren Sinn nicht alterirt. Statt des einfachen Ausdrucks nämlich, es verhalte sich am Sabbathe wie an jedem sonstigen Wochentage, heißt es, es sei am Sabb. gerade wie am Montag: חל להיות בשבת כחל להיות בעוני בשבת. Warum wird nun gerade der Montag herausgegriffen, da die Bestimmungen für ihn gar nicht abweichen? und wenn etwa blos beispielsweise irgend ein Wochentag genannt werden soll, warum dann nicht der erste, der Sonntag? Das ist offenbar die Redaction eines späten Lehrers, für welchen der Fall, daß der Rüsttag des Peßach auf Sonntag treffe, nicht existirte und der im Irrthum diese Nichtexistenz auch in die Zeit Jsmael's übertrug; für ihn, und, wie er dachte, auch für Jsm. war daher der erste Wochentag, auf den der Rüsttag treffen konnte, Montag, und deßhalb wählte er ihn. Wir werden bald sehen, daß mehrere Rabbinen des Mittelalters die Sache ebenso auffassen. - Jedenfalls sind Dies in den Thalmuden Ausnahmen, aus Mißverständniß oder Vergeßlichkeit entstanden, aber nicht aus dem Grunde, weil man sich einzugestehen scheute, es sei eine Abänderung von der srühern Einrichtung vorgenommen worden. 1) Noch Acha aus Schabcha in seinen Scheelthoth, Exodus Ende (6cl. Dyhrensurth p. 21b) geht denselben schlichten Weg. io*

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