Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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144 'VII. Feststellung der jüdischen Kalenderberechnung Purim nicht auf Mittwoch, Wochenfest nicht auf Sabbath, ferner Neujahr und Hüttenfest nicht am Sonntag, Peßach nicht am Freitag beginnen. betrachtete Weideufeier unterlassen. Dasselbe geht indirect^aus einer andern Stelle hervor. Die Mischnah Megillah 1, 2 stellt nämlich die Bestimmungen auf, wann das Buch Esther in den von jeher mit Mauern umgebenen Städten, die das Purimfest auch noch an 15. Adar begehen vorgelesen werden solle, wann in anderen großen Städten, welche blos den 14. feiern, wann endlich in Dörfern, die zwar auch den 14. feiern, deren Bewohner aber den Gottesdienst blos an Markt- und Gerichtstagen (ירס חככיסח), also an Montag und Donnerstag, in der Stadt besuchen, so daß auch für sie besonders an dem׳ dem Purim vorangehenden Montag oder Donnerstag das Büchlein vorgelesen wurde. Die Mischnah zählt alle Wochentage auf, also auch den Fall, daß der 14. Adar auf Montag oder Sabbath traf. Dazu bemerkt 1Tun Joße irrt Ieruschalmi: לית כאן הל לחיות בעגכי דלית כאן חל לחיות בעגבת ,חל לחיות בעגני צובלא רבא בחד בעגובא ,חל לחיות בעגבת ״ צומא רבא בינלובתאDie Fälle, daß der 14. Adar auf Montag oder Sabbath treffe, existiren nicht; denn träfe er auf den Montag, dann wäre der Versöhnungstag am Sonntag, träfe er auf den Sabbath, dann wäre dieser am Freitag". Allein auch ein dritter Fall ist ja unmöglich, nämlich daß der 14. Adar auf den Mittwoch trifft, weil dann der Weidentag am Sabbath wäre. Daß Joße nun diesen Fall nicht in Erwähnung bringt, ist ein sicherer Beweis dafür, daß zur Zeit dieses späten palästinischen Amora das Hinderniß vom Weidentag am Sabbath noch keine Beachtung fand; man unterließ die Weidenfeier, und änderte nicht die ganze Kalenderberechnung, um sie auf einen folgenden Tag verlegen zu können. Später jedoch suchte man auch diesem Hindernisse vorzubeugen, man legte auch den Weidentag vom Sabbathe weg und verrückte hiermit die ganze Zeitrechnung, wie es Sukkah a. (t. O. heißt: ״ כי אתא בר דזדיא אנ7ר לא איקלעBar Hedia sagt, es trifft nie der Weidentag auf den Sabbath", d. h. man verschiebt ihn, dasselbe sagt die in der vorigen Anm. angeführte Stelle aus der Jerus. Gem., und Dies wurde zur gesetzlichen Bestimmung. Die Schwierigkeit, welche ein anderes Fest machte, kommt hier nicht in Betracht, nämlich die daß Purim, der 14. (oder für die befestigten Städte der 15.) Adar, auf einen Sabbath falle und da die Feier der Esther.vorlesnng mit den Sabbathsatzungen collidiren könne. Man hatte nämlich schon von alter Zeit, wie die Mischnah a. a. O. berichtet, diese Vorlesung, ohne das Purimfest selbst zu verlegen, also auch ohne in den feststehenden Kalender einzugreifen, häufig an einem früher« Tage vorgenommen, und that man Dies zunächst für die Dorfbewohner, so nahm man auch keinen Anstand für Großstädter und Festungsbewohner dies anznordnen wenn Purim auf den Sabbath fällt, und der Kalender blieb dabei intact. Später aber wurde die Frage ganz gegenstandlos; Purim konnte nicht auf den Sabbath treffen, da man vorgesorgt hatte, daß der Versöhnungstag nicht an einem Freitage sei, und Dies hat zur Folge, daß Purim nicht mit dem Sabbathe zusammenfällt. Ein ähnliches Mißverständniß haben