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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 2 (1868) · p. Seite 135

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
2 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 135 (sequence 55)
Language
German
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135 VI. Jochanan ben Sakkai und Elieser ben Hyrkan. Wir wollen die Frage nicht urgiren, woher denn der gute Vater Saul, der so viel später gelebt, zu dieser Relation, welche den Werth der Lehrer so ganz abweichend feststellt, gelangt sein könne. Wir wollen auch die Fähigkeiten des Elasar ben Arach nicht in Zweifel ziehen; er wird von seinem Lehrer als ein immer frisch sprudelnder Quell bezeichnet, also offenbar als ein lebhafter, selbstdenkender Geist, sein Ausspruch über die Eigenschaft, welche zu ergreifen, und über die, welche zu meiden sei, wird von dem Lehrer als der umfassendste anerkannt. Bei alledem wird er doch in der Reihe der Schüler als der letzte genannt, und zwar nicht blos hinter Elieser ben Hyrkan und Josua ben Chananiah, sondern auch hinter den sonst ganz unbekannten Joße ha Khohen und Simon ben Nathanel. Hören wir aber gar was sonst über ihn berichtet wird, so sinkt seine Bedeutung noch viel tiefer herab. Während er nämlich kaum bei irgend einer Diseussion genannt wrrd, nirgends als Lehrer vorkommt, wird Schabbath 147 d und Koheleth rabba zu 7, 7 gemeldet, er sei in Wohlleben versunken und habe sein ganzes Wissen vergessen 1). Ein Makel haftet gewiß an ihm, es ist keine Veranlassung. daß ohne Grund solche Schmähung auf einen wohlbekannten Schüler Jochanan's ben Sakkai gehäuft worden. Und ihn, an dem der flüchtige Charakter ohne Zweifel auch in der Jugend schon sichtbar war, sollte der greise Lehrer so verkannt haben? drückt nicht vielleicht schon das Lob des sprudelnden Quells wirklich zugleich die Veränderlichkeit seines Wesens aus, das wie die dahinrauschende Welle keine Beständigkeit hat? Von ihm sollte Jochanan gesagt haben, daß er alle Gelehrten überwiege? und wenn er sich wirklich so gröblich geirrt, sollten die Späteren dieses falsche Urtheil sorgsam aufbewahrt, nicht vielmehr es durch Verschweigen der Vergessenheit übergeben haben? Nein! Wir haben es hier sicher nicht mit dem Ausspruche Jochanan's zu thun, sondern mit der Liebesdienerei eines untergeordneten im Interesse seiner vornehmen Gönner, der Patriarchenfamilie handelnden Agenten, der dem Elieser ben Hyrkan die Ehre entziehen und vielleicht Jochanan einen Seitenhieb versetzen wollte, daß er einem Unwürdigen wie 1) Auch hier ist wieder das palästinische Koh. r. treuer als die babyl. G., die nach *toet Seiten hin übertreibt. Nach jenem weiß Elasar in einer thalniudischen Frage keinen Bescheid zu geben, nach dieser kann er nicht mehr richtig in der Bibel lesen, sie fügt aber hinzu: daß er durch das Gebet der Lehrer wieder zu seinem früheren Wissen gelangt sei!

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