Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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VI. Iochanan ben Sakkai und Elieser ben Hyrkan. 133 deßhalb gerade ihn mit Stillschweigen und begnügte sich mit der Nennung der übrigen Vorfahren. So wird in der Mischnah, wie seiner Zeit im Leben, Iochanan ben Sakkai von seinem Platze verdrängt und wird doch in seiner Würde nicht angetastet. Anders ist es mit Elieser benHyrkan. Dieser war Gamaliel II. gegenüber keine so unantastbare Autorität, stand ihm aber dennoch durch die Lebensstellung, welche er einnahm, wie durch seine gelehrte Richtung sehr im Wege. Er war Onkel (Mutterbruder) und Schwager (Schwestermann) Gamaliel's (vgl. diese Ztschr. Bd. II S. 106 Anm. 18), also von demselben Farmlienansehen wie dieser; als Gelehrter aber war er der anerkannte treue Träger der Ueberlieferungen, ״die verpichte Grube, welche keinen Tropfen einbüßt", wie ihn sein Lehrer Iochanan ben Sakkai bezeichnete, als dessen erster Schüler er galt, der mit aller Zähigkeit festhielt und neuen Anordnungen abhold war. Er mußte, wenn Gamaliel seine Pläne, die Begründung seines überwiegenden Einfllusses, nicht aufgeben wollte, entschieden verdrängt werden, und Gamaliel war es auch vorzugsweise, der darauf hinarbeitete, wenn auch die andern Lehrer, sei es als gefügige Werkzeuge, sei es im Widerstreben gegen Elieser's starr abschließende, jeder Weiterentwickelung der pharisäischen Grundsätze sich widersetzende Richtung, mit die Hand dazu boten. So sehr die Gemara (Baba mezia 59 d) bemüht ist, das Ganze als einen bei einem einzelnen Falle ausgebrochenen Schulstreit darzustellen und als Gegner Elieser's Vorzugsweise Josua hervortreten läßt, so verräth sie uns doch wieder, daß Gamaliel die eigentliche Triebfeder gewesen. Ein Seesturm bedroht den Gamaliel, nachdem Elieser in den Bann gethan worden, und er wendet sich im Gebete zu Gott: ״Es ist Dir bekannt, daß ich es nicht wegen meiner Ehre, nicht wegen der Ehre meinerFamilie gethan, sondern zu Deiner, damit die Streitigkeiten nicht in Israel überhand nehmen." Elieser's Frau, ״Mutter Schalom", die Schwester Gamaliel's, duldete nicht, daß von nun an ihr Mann mit voller Kniebeugung das in solcher Form übliche bestimmte Bittgebet spreche; als sie eines Tages die Vorsicht versäumte, ist sie überzeugt, das habe ihrem Bruder, Gamaliel, den Tod gebracht, eine solche Wirkung habe nämlich das Gebet des Gekränkten, natürlich gegen den, welcher ihn gekränkt, und alsbald erscholl die Nachricht, daß Gamaliel gestorben. Also die Verdrängung Elieser's ging von Gamaliel aus. Und so blieb Elieser der berechtigte Lehrer,