Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Supercommentare zu Ibn Esra. 121 den Zeitpunkt der Begebenheit nahe an den Eintritt seines Todes zu rücken gar kein Interesse vorlag. Aber die Entschuldigung lag gerade für den heidenchristlichen Evangelisten in der Anklage selbst. Eine Sünderin! Was machte sie zur Sünderin? Wohl die Uebertretung des jüdischen Gesetzes? Nun, dieses ist von der ״Liebe" aufgehoben. Du, sprach deshalb Zesus, ein Pharisäer, streng in der Befolgung des Gesetzes, erweisest mir nicht einmal die gewöhnliche Änstandsbezeigung mir das Haupt zu salben; sie, ״die Sünderin", die mit dem Gesetze gebrochen, erweiset mir die volle liebende Hingebung, mir die Füße zu salben. Zu solchen ״Sündern" bin ich gesendet. Ich denke, so ist Alles wohlbegründet. Das Christenthum ist auf hillelisch-pharisäischem Standpunkte erwachsen, dessen heidnische Umgestaltung hat auch alle die Thatsachen anders zurechtgerückt. Die älteren Evangelien lassen uns noch den jüdischen Ursprung erkennen, die jüngeren geben auch seiner Entstehung die heidenchristliche Färbung. 8. März. V. Supercommentare :» Ibn Esra, zur Orientirung in verschiedenen Handschriften. Von M. Steinschneider. In der Erklärung des an Räthseln reichen I. E. konnten Männer verschiedener Richtung einander begegnen und ergänzen. Philologie, Kritik, Philosophie, Mathematik und Astrologie boten das Material; die theologisirende Anwendung der Zahlverhältnisse — die schon aus Nicomachus von Gerasia in die arabische Philosophie eingedrungen, — und die Hinweisung auf ״Geheimnisse" über- Haupt konnten auch Mystiker und Schwärmer wie Abraham Abulafia und Andere anziehen. Man kann daher an den Supercommentaren zu I. E.'s Pentateuchcommentar ein Stück Literaturgeschichte studiren. Nicht weniger als 24 (wenn die Zahl richtig) solcher Erläuterungen zeigte man in Constantinopel vor mehr als dritthalbhundert Jahren dem Joseph Del Medigo (Melo Chofn. 27). Eine ziemliche Zahl hat sich bis auf unsere Zeit erhalten, zum Theil in Ausgaben, zum Theil in HSS., die allmälig näher bekannt werden; es tauchen auch bisher ganz unbekannte auf: als Beleg mag die folgende Notiz über eine HS. dienen, welche mir