Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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120 IV. Das *salböl bei den׳ Pharisäern und bei den Evangelisten. Allein diese Anschauung über die Salbung des Hauptes hatte nur im engeren Kreise der. palästinischen Pharisäer ihre Geltung; unter den griechischen Juden war die ebenso griechische und römische wie altjüdische Sitte das Haupt zu salben, nicht in Mißcredit gekommen, sie blieb unter ihnen etwas Gewöhnliches, als Anstandsgebot Anerkanntes. Was, fragten sich nun die Verfasser der Evangelien nach Johannes und nach Lucas, was mochte daran so Auffallendes sein, daß man überhaupt davon sprach, ja daß es sogar Bedenken, Tadel erwecken konnte? Sicherlich, nicht das Haupt wurde ihm gesalbt — davon wäre kein Aufhebens gemacht worden —, sondern die Füße, und wenn dies auch nicht gerade bei den Griechen .unerhört war, indem man sich Wohl zuweilen vor dem Mahle auch die Füße mit Wein waschen ließ, der mit wohlriechenden Dingen vermischt war (vgl. Paulh, Real-Enchklopädie Bd. II. S. 1301), so lag in jenem Salben der Füße doch jedenfalls ein Erweis unterwürfiger Verehrung. Allein wenn auch Dies der Fall war, wie konnte man denn darin eine Veranlaffung zum Tadel finden? Was ist es mit jener schlechten Verwendung des köstlichen Oels, die darin gefunden werden sollte? Ja, setzte sich der Jo- Hannes-Evangelist die Sache zurecht, von einem biedern Verehrer Jesu ward auch sicher ein solcher Tadel nicht ausgesprochen, es war der heuchlerische Schalk Judas Jscharioth, der seine betrügerische Gewinnsucht unter dem Deckmantel der Einfachheit und der Wohlthätigkeit verbarg, und den Jesus auch in derselben Weise Widerlegte, wie in den früheren Evangelien, mit der Hinweisung auf seinen von ihm vorherverkündeten baldigen Tod. — Anders wiederum der Verfasser des Lucas-Evangeliums. Die Salbung geschah auch nach ihm allerdings an den Füßen, und auch diese Handlung als zur Verherrlichung bietet an sich keineswegs eine Veranlassung zum Tadel, sie ehrt die Person, der sie widerfährt; woher schreibt sich nun die allgemein berichtete Mißbilligung? Diese liegt nicht in der That, sondern in der Person, von der sie ausging. Das Weib war eben eine Sünderin; von ihr ein solche Verehrung anzunehmen, das betrachtete man als unziemlich. Selbst Dies äußerte nicht sowohl ein Jünger, sondern ein mehr fernstehender Pharisäer, bei dem Jesus zu Gaste war. Nun bedurfte es von Seiten Jesu keiner Entschuldigung für die Handlung selbst und keines Hinweises aus seinen Tod, wie denn auch diese nach der nunmehrigen Wendung der Erzählung Nichts zu erklären vermochte, so daß auch