Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2420992-2420994--1731-2422735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 rV. Das Salböl bei den Pharisäern und bei'den Evangelisten. Führen wir uns kurz die Erzählung vor, wie sie in den verschiedenen Evangelien berichtet wird. Nach Matth. 26, 6 ff. sitzt Jesus kurz vor Ostern zu Bethanien im Hause Simones des Aussätzigen beim Mahle, da tritt ein Weib an ihn heran und gießt eine Schale köstlichen wohlriechenden Salböls (fxvQov ßaQvr^ov) ihm aufs Haupt; die anwesenden Jünger, die dies sehen, sind unwillig darüber und sprechen: wozu so Kostbares verderben (anwkua)? Hätte doch das Oel für vieles Geld verkauft und der Erlös an die Armen gegeben werden können! Jesus aber beruhigt sie, den Armen könnten sie immer geben, ihn aber habe das Weib gesalbt zu seinem Begräbnisse, sie habe ein gutes Werk gethan. Ganz in gleicher Weise berichtet Marcus 14, 3 ff., und es ist unerheblich, daß die Tadler nicht so bestimmt als seine Jünger bezeichnet werden, sondern allgemein als ״Einige". Sehr abweichend lautet die Geschichte bei Lucas 7, 36 ff. Sie wird, dem Zusammenhänge nach, in eine ziemlich frühe Zeit seiner Wirksamkeit verlegt, jedenfalls nicht in Beziehung gebracht zu seinem nahen Tode. Jesus sitzt zu Tische bei dem Pharisäer Simon, eine Sünderin naht, weint, benetzt seine Füße mit ihren Thränen, trocknet sie mit ihren Haaren, küßt sie und salbt sie mit wohlriechenden Oelen. Simon denkt, das dürfe er von einer Sünderin, wenn er ein Prophet wäre und sie als solche erkennte, nicht an sich geschehen lassen; Jesus aber antwortet, das Weib habe ein Werk der Liebe an ihm verrichtet, seine Füße gesalbt, während der Wirth nicht einmal sein Haupt gesalbt habe, ihr seien'um ihrer Liebe willen die Sünden vergeben. Annähernd an diese׳ Relation, dennoch auch zum Theile wieder mit den frühern übereinstimmend, zum Theile neue Umstände heranbringend erzählt Joh. 12, 1 ff, Jesus sei sechs Tage vor Ostern bei dem auferweckten Lazarus in Bethanien zu Tische gewesen, da habe ihm Maria die Füße gesalbt und mit ihrem Haare abgetrocknet. Dies habe nun Judas Jschariot als Verschwendung getadelt, aber von ihm war das Vorgeben, daß es besser für die Armen verwendet werden könne, blos erheuchelt, er war vielmehr ein Dieb, der die Gelder der von ihm verwalteten Casse sich zu nutze machte. Jesus aber nimmt die That wiederum im Schutz, daß Arme allezeit da seien, Maria dies aber zu seinem Begräbnisse gethan. Daß dies, wenn auch unter abweichenden Formen, die Erzählung eines und desselben Ereignisses ist, steht bei jedem Unbefangenen fest; ebensowenig wird er versuchen, die Abweichungen, ja Wider-