Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Das Salböl Lei den Pharisäern und Sei den Evangelisten. 117 seelen-Theorie, die gleich der modernen Politischen sehr rasch verduftet. — Trotzdem aber dürste die Untersuchung für den Forscher erheblich sein. Sie läßt uns einen tiefen Blick werfen in die abweichende Richtung der beiden großen Schulen von so tiefgreifendem Einflüsse, sie lehrt uns, daß wenn Schammaiten und Hilleliten über sehr geringfügige Dinge abwerchende Meinungen vortragen, diese Kleinigleiten die gesetzlichen Ausläufe sind von einer tiefbegründeten Lebensanschauung, sie bezeugt, daß wir für ihre Betrachtung auf einem verschütteten Boden stehen, die spätere Zeit, herausgelebt aus den Anschauungen der früheren, ihre Worte schon durch falsche Begründüng unkenntlich gemacht, noch mehr aber durch Verstümmelung und Verdrehung derselben. In diese grundlegende Zeit des zur vollen Herrschaft gelangten entschiedenen Pharisäerthums innerhalb des Judenthums und des entstehenden Christenthums einen richtigen Einblick zu gewinnen, ist von einer nicht zu unterschätzenden großen geschichtlichen Bedeutung. II. Bei den älteren und den jüngeren Evangelisten. Denn die Meinungsverschiedenheiten, welche wir bisher nach ihren Resultaten in gesetzlichen Bestimmungen des pharisäischen Judenthums verfolgt haben, begegnen uns auch in den Berichten aus dem Urchristenthum. Nun halte ich zwar nicht dafür, daß es auf den Gang der menschheitlichen Entwickelung einwirke, ob Jesus einstmals am Haupte oder an den Füßen beim Mahle von einem Weibe gesalbt worden, wann und ob Dies von Maria, der Schwester des Lazarus, oder von einer sonst Unbekannten oder gar von einer Sünderin geschehen, ob, von wem und weßhalb ein Tadel darüber ausgesprochen worden. Da jedoch die Sache in den Evangelien berichtet wird, ist die Erzählung mit allen ihren Nebenumständen für Millionen von solcher Bedeutung, daß von ihr die Seligkeit abhängig gemacht wird, daß sie als bestimmend für die geistige und sittliche Entwickelung der ganzen Menschheit erscheint. Und dennoch weiß man sich in sie nicht recht hineinzufinden, noch weniger kann man sich erklären, wieso die einzelnen Abweichungen, welche sich bei den verschiedenen Berichterstattern finden, entstanden sind. Da nun die vorangegangenen Betrachtungen Licht in diese Verwirrung zu bringen geeignet sind, so ist es der Mühe Werth, näher auf die Sache einzugehn.