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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 2 (1868) · p. Seite 116

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
2 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 116 (sequence 36)
Language
German
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116 IV Das Salböl bei den Pharisäern und bei den Evangelisten. Diese ganze Untersuchung mag Manchem als von sehr geringem Werthe erscheinen. Sie bezieht sich auf vollständig überlebte Gegenstände. Wohlriechende Oele und Spezereien haben unter uns ihre Bedeutung verloren. Wir wollen diese Thatsache nicht mit Bestimmtheit dem Einfllusse der strengen demokratischen Richtung der Hilleliten und der von ihr auf das Christenthum übergegangenen Auffassung zuschreiben. Der nüchterne Sinn des Europäers wendet sich dem sinnbetäubenden Einflüsse starker Gerüche ab und hat denselben etwa blos im Weihrauche der katholischen Kirche erhalten; unser gemäßigtes Klima bedarf nicht der besondern Mittel gegen die üblen Dünste der heißeren Gegenden. Aus den gesetzlichen Bestimmungen des rabbinischen Judenthums ist Salböl und Gewürze gleichfalls fast ganz geschwunden; nur eine unverstandene Spur haben sie zurückgelassen. Am Sabbathausgange wird ein Lobspruch, über Gewürze gesagt und zwar vorangehend dem über das Licht, ein Ueberrest aus alter verklungener Zeit, den man sich später abenteuerlich erklärte und den die zähe Unwissenheit noch heute umklammert. Man sucht nämlich den Gebrauch des Gewürzes am Sabbathausgange, der sich eben blos auf den Lobspruch dazu beschränkt, mit der Angabe der babylonischen Gemara zu begründen, daß am Sabbathe der Mensch mit einer Doppelseele bedacht sei, die dann mit dessen Ausgange dahinziehe; um nun den durch diesen Verlust Ermattenden und Betrübten aufzurichten, solle die Erquickung durch Wohlgerüche ihn neu beleben^ — eine Zweigewöhnlich erst nach beendigter Mahlzeit (Mischnah 6, 6: אין פלביאין את המוגמר אלא לאחר הסעודה), der Spruch darüber folgte daher dem Tischsegen. Am Sabbathausgange kam nun mitten in der Mahlzeit Licht, und alsbald er-- folgte der Lobspruch und nun wollten die Schammaiten die gewöhnliche Ordnung beibehalten wissen, daß der Tischsegen und dann das Räucherwerk folge. Die Hilleliten jedoch, welche diesem einen geringen Werth beilegten, wollten es an das Licht als ihm blos angehängt anschließen, jblos als einen Ausspruch, daß nun angezündet werden dürfe, nicht als einenDank für den Genuß der Würzen. 1) Thaanioth 27 b (u. Bezah 16 a): נשנלה יתירה ניתכה בו באדס בערב שבת ,בבלונבאי שבת נומליך אותה ממכר und schon die Gemara will damit begründen, daß die Opferwache am Sonntag nicht gefastet habe, weil das Entfliehen der Doppelseele ohnedies abschwäche. Dies benützen nun die Rabbinen zur Begründung für das Gewürz am Sabbathausgange, und soviel ich sehe, ist Maimonides (Mischneh Thorah, Schabbath 29,29, der erste, welcher, etwas rationalisirend, diesen Grund angiebt: ולמה נלברלין 2ל הבשמים במחצאי שבת מפני שהנפש דואבת לתציאת שבת,משכלחץ אותה רבליישבין אותה בדיה טבד. Ihm folgt dann der Troß.

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