Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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114 IV. Das Salböl bei den Pharisäern und bei den Evangelisten. noch in ihrer größern geistigen Verwandtschaft mit dem Sadducäismus und mit der herrschenden Aristokratie gefunden, waren nun gänzlich gebrochen, im Gegentheile aber waren die Nachkommen Hillens zu hohen Würden gelangt, so ward die Geltung der Hillel'schen Schule eine unbestrittene. WeM nun, wie Dies im Vexlaufe der Geschichte so häufig vorkommt, gerade aus dem Schooße der siegenden Richtung eine Zersetzung sich erzeugte, ein Rückschreiten zu der frühem, nun überwundenen und machtlosen Gegnerin sich bemerklich machte: so wollte man sich diesen Abfall, dieses ermattende Nachlassen in den eigenen Principien nicht zugeben. Man suchte sich mit den hillelitischen Vorgängern in Einklang zu setzen, was zuweilen nicht ohne große Gewaltsamkeit gelingen wollte. Man deutete die Worte der Hilleliten um, beschränkte und zwängte sie, und wollte auch Dies nicht verfangen, so verschob man geradezu die Rollen und behauptete, daß was im Namen der Schammaiten überliefert werde, den Hilleliten angehöre und umgekehrt. Diese Auskunftsmittel, welchen man an unzähligen Stellen begegnet, finden wir auch bei den Bestimmungen über Gewürze und Salböl angewendet. Wenn es feststeht, daß die Hilleliten von Abgaben für Priester bei ״zweifelhaftem" wohlriechendem Oele befreien, so wollen Spätere behaupten, daß Dies von dem kostbaren Rosen- oder Nardenöl doch keineswegs gelte, bei diesem sollten auch die Hilleliten die Verpflichtung dazu anerkennen?) — Die Hilleliten lassen den Lobspruch über den Wein dem über das wohlriechende Oel Vorangehn, wenn beide gleichzeitig auf die Tafel gebracht werden, verlangen daher daß jener in die rechte, dieses in die linke Hand genommen werde, das Salben des Hauptes mit dem Oele, das dann darauf zu folgen pflegte, verwerfen sie ganz. Die letztere Bestimmung stellte man später, wo überhaupt aller Luxus unter den gedrückten Verhältnissen in den Hintergrund getreten war und 1) Thosseftha Demai e. 1: אבלר רבי כתן לא דיו בית דלל פוטרין אלא בעגל פלייסון בלבד ,אחרים [אונלרים] נלעגום רבי כתן, בלחייבין דיר בית דלל בעגגלן ורד רדכין. Nach dieser auch in jerus. Demai 1, 3 aufgenommenen Angabe hätten die Hilleliten nur das loliatuur von der Abgäbe befreit, jedenfalls aber das Rosenöl dazu verpflichtet. Das רדכין am Schluffe, für das in Ieruschalmi וייריכון oder וירדיכון gelesen wird, weist auf einen alten Schreibfehler aus Unkenntniß hin, es ist offenbar כרדיכרן zu Lesen, das richtig Midrasch zu HL. 4,14 voxkommt, ^«L>0'evo^(vgl. die später zu besprechenden Evangelien-Stellen Marc. 11, 3. Joh. 12, 3).