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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 2 (1868) · p. Seite 112

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
2 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 112 (sequence 32)
Language
German
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112 1^. Das Salböl bei den Pharisäern und bei Herr Evangelisten. streut, es gab keinen Kamps mehr gegen eine verwöhnte Aristokratie in der eigenen Mitte mit frivolen Sitten, es war Alles tief gebeugt; es galt im Gegentheile den Muth, ja einen gewissen Trotz gegen den ausländischen Dränger in sich zu nähren. ״Alle Israeliten sind den Königskindern gleich geachtet", sprach man stolz aus, und zwar gerade auch in Beziehung auf das Salböl. Man darf nämlich am Sabbathe kein Mittel zur Heilung nehmen, das man nicht auch sonst gebrauchte; man darf daher eine Wunde mit einfachem Oele bestreichen, weil Dies auch im gesunden Zustande geschieht, aber nicht mit Rosen- (oder Narden-) Oel. Nur Königslindern ist Dies gestattet, weil es bei ihnen eben gewöhnlicher Gebrauch ist. Darauf bemerkt der strenge Simon ben Jochai, alle כרטלין לידים ובית חלל אוכללים כוטליך לידים ראהד כך נלכבדין את ״ .חביתNach der Schule Schammai's wird zuerst das Haus ausgekehrt, dann wäscht man die Hände, nach der Schule Hillens ist das Verfahren umgekehrt." Nun meint schon die Thoßeftha, und ihr folgend die Gemaren, dieses Auskehren des Hauses geschehe nach dem Essen, um die Abfälle zu beseirigen oder gar um sie nicht muthwillig dem Verderben preiszugeben — als wenn sie durch das Auskehren erhalten würden! —, das Waschen der Hände geschieht demnach nach Tische, wovon die ältere Halachah gar Nichts weiß und was auch die spätere Holachah nicht als eine gesetzliche Vorschrift kennt, sondern als eine Reinlichkeitsmaßregel, welche mannichfachen Gefahren Vorbeugen soll. Ueber den Grund der Divergenz aber zwischen den beiden Schulen wissen diese späteren Quellen nur so Sinnloses porzubringen, daß es nicht lohnt auf Angaben einzugehn, die sich wahrhaft an dem gesunden Menschenverstände und an diesen alten Schulen versündigen. Gehn wir jedoch mit der aus obiger Erörterung gewonnenen Einsicht an die Stelle! Man stäubte unmittelbar vor Tisch ,.das Haus", d. h. das Eßzimmer, ״das Divgnhaus" nochmals ab, um auch, wenn selbst der Raum früher gereinigt worden, einen jeden etwa noch gebliebenen oder neu hinzugekommenen Schmutz zu entfernen. Das war eine besonders feine Sitte, auf welche die Schule Schammai's einen so entschiedenen Nachdruck legte, daß sie es verlangte, bevor den Gästen das Wasser zum Waschen der Hände gereicht wurde; den Hilleliten war es etwas ganz Nebensächliches, dem sie das Wichtigere, das Darreichen des Wassers, nicht nachgesetzt wissen wollten. So ist denn auch zu erwarten, daß die Hilleliten dieses nochmalige Aufkehren am Festtage ganz unterließen, in seiner Vornahme eine ganz unnöthige, die Festfeier störende, daher nicht zugestattende Arbeit erblickten. Wenn es Gamaliel nun gestattete, ja verlangte, so liegt Dies, wie wir Dies kennen lernen werden, in seinen aristokratischen Sitten, die ihn hier zur Schule Schammai's drängten. Und dasselbe Verhältniß ist es nun auch mit der Herrichtung des Räucherwerkes am Feste.

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