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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 2 (1868) · p. Seite 107

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
2 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 107 (sequence 27)
Language
German
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IV. Das Salböl bei den Pharisäern und bei den Evangelisten. 107 meinen Volk nicht sicher, daß sie von der Frucht die den Priestern und Leviten zukommenden Gaben entrichten; die Pharisäer hielten sich daher für verpflichtet, von der Frucht, die sie von solchen unzuverlässigen Leuten kauften, die also als ״zweifelhafte, Demai," galt, wenigstens einige dieser Gaben nachträglich zu entrichten. Doch galt Dies nur von Dingen, die zum wirklichen Genuß, zum Essen und Trinken bestimmt waren, nicht aber für Ungenießbares oder doch nicht zum Essen Verwandtes, wenn auch ein sonstiger Gebrauch davon gemacht wurde. Wie verhält es sich nun mit dem Wohlriechenden Salböl? Gilt das Salben auch für einen derartigen Genuß, daß es zum Abscheiden der Gaben den Gewissenhaften verpflichtet? Man sollte denken, das Salben, an dem der ganze Körper sich erquickt, werde dem Trinken gleichgestellt; das ist auch sicher alte herkömmliche Anschauung, so daß am Versöhnungstage das Salben wie das Baden gleich dem Essen und Trinken untersagt ist (Mischnah Joma 8, 1), und zwar, wie ausdrücklich (Mischnah Schabbath 9, 4) angegeben wird, weil das Salben dem Trinken gleichzuachten ist. Demnach sind auch von dem ״zweifelhaften" Wohlriechenden Oele die Gaben zu entrichten, das ist die Ansicht der Schule Scharnmai's. Die Schule Hillel's hingegen spricht davon freix), offenbar weil sie das Salben geringschätzig behandelt, das wohlriechende Oel als etwas für den achtbaren Menschen gar nicht Brauchbares betrachtet. Neben dem Salböl gab es noch anderes Wohlriechende, Spezereien, die, angezündet, einen angenehmen Duft verbreiteten und besonders zur Würze der Mahlzeit dienten (בלוגנלר ,בשבלים). Das Verhältniß nun zwischen diesen beiden wohlriechenden Gegenständen richtete sich nach dem Gebrauche, den man vom Salböle machte und nach dessen Schätzung; bediente man sich dessen wirklich zum Salben, achtete man dasselbe als besonderen Genuß, so mußte ihm der Vorzug vor den Spezereien eingeräumt werden, verpönte man jedoch das Salben, so war dessen bloßer Geruch ein viel rascher vorübergehender als der der Spezereien. Das erklärt uns eine andere Meinungsverschiedenheit der zwei Schulen. Wird zu Tische Oel und Mhrthe gebracht, so bestimmt die Schule Schamrnai's, daß 1) Mischnah Demai 1, 3: עובדך ערב בית שבלאי נלחייבין־ ובית דללל פושרין*. Die Einschränkungen, welche die Thoßestha (und ihr folgend, die jerusalemische Gemara) in den Worten der Hilleliten macht, werden später Besprechung finden.

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