Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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106 H Das Salböl bei den Pharisäern und bei den Evangelisten. den Lobspruch über das Oel, dann den über den Wein. Die Schule Hillel's hingegen ordnet an, man nehme dm Wein in die rechte, das Oel in die linke Hand, spreche zuerst den Lobspruch über den Wein, dann den über das Oel und bestreicht damit das Haupt des Aufwärters; ist dieser jedoch ein Gelehrtenschüler (d. h. Pharisäer), so bestreicht man damit die Wand, denn für einen Gelehrtenschüler ist es nicht löblich von Salben duftend einherzugehen."^) Die Schule Schammai's stellt demnach den Genuß, welchen das wohlriechende Oel bietet, höher als den Genuß des Weines, so daß der Lobspruch über jenes dem über diesen vorangehen solle, weshalb auch das Oelgefäß in die rechte, der Weinbecher in die linke Hand genommen werde; es ist selbstverständlich, daß man es nun nicht bei dem einmaligen Gerüche des Oeles bewenden läßt, vielmehr wie man den Wein trinkt, so salbt man das Haupt mit dem Oele, um seinen Duft dauernd einzuathmen. Die Schule Hillel's aber stellt den Genuß durch den Wein hoch über den durch das Oel, man nimmt jenen in die rechte Hand, spricht über ihn zuerst das Lob Gottes und trinkt dann von ihm; des Oeles jedoch, nicht blos daß es hinter dem Wein zurücksteht, bedient man sich, nachdem man Gott für den Wohlgeruch, welchen er den Würzen verliehen, gepriesen, nicht weiter für sich zum Salben, sondern salbt damit den Aufwärter, wenn er der gedankenlosen Masse angehört, verwendet es aber auch nicht dazu, wenn er der ernsten Lebensrichtung des Pharisäismus anhängig ist, sondern schmiert es an die Wand. Eines kundigen und sittenstrengen Pharisäers ist es nicht würdig, solch leichtfertigem Tande zu huldigen, dessen die frivole Aristokratie sich bedient; man muß seine Verachtung gegen denselben an den Tag legen. Dem entspricht nun vollkommen eine.andere gesetzliche Differenz zwischen den beiden Schulen. Bekanntlich war man von dem ge- 1) Thoßeftha Berachoth 6. 5: הביאו לפניו עובלך רייך, בית שבלאי אומרים כרס יין בשבלאלו ושמן עדב בינליכר, מברך על השבלך ואחה מברך על היין, ובית הלל אומרים היין בימינו ושמך בשמאלו ,בלבדך על היין ושותהו וחוזר ובלברך על השמך וטרחה בראש השמש, אם היה שבלש תלמיד חכם טחו בכותל, לפי שאין שבה לתלכליד חכם שיצא בלבושם. Daraus entnommen Babli Berachoth 43b mit unwesentlichen Varianten; die Abweichung in jeruschalim 8, 5 wird weiter unten besprechen werden.