Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Das Salböl bei den Pharisäern und bei den Evangelisten. 105 955, 1100 zweimal) Catalayud. Ganz unbekannt sind: Noglidano (6011. 152), Forti (eoä. 381), Vitruvio (ood. 895). Heber דכגוק לא (cod. 1047 p. 191) vergleiche man meine Literaturgeschichte d. syn. Poesie S. 482. IV. Das Salböl bei den Pharisäern vnd bei den Evangellsten. I. Bei den Schammaiten, den Hilleliten und den späteren Pharisäern. Die Sitten wechseln. Was in der einen Zeit als Überschwanglicher Luxus, Verschwendung und Verweichlichung getadelt wird, gilt der andern als begehrenswerthe Bequemlichkeit, als Gebot des Anstandes. So bewirkt die Herrschaft der wandelbaren Mode auch eine Aenderung in den Vorschriften für das Leben; kann man sich dann in Angaben früherer Zeiten nicht mehr recht hineindenken, so sucht man sie den eigenen Anschauungen anzupassen. Auf solche leicht verschwindende Umgestaltungen muß man achten, wenn man die richtige Erklärung für Hervoxtretende Verschiedenheiten der Meinungen und für Widersprüche in Erzählungen finden will. Ein Beispiel dafür bietet die verschiedenartige Auffassung des Salbens mit wohlriechenden Oelen. Es kann als bekannt vorausgesetzt werden, daß dieses Salben bei den orientalischen Völkern, auch bei Griechen und Römern, als besonders erquickend, fast als Bedürfniß galt, und namentlich als zum festlichen Mahle gehörig betrachtet wurde. Man salbte das Haupt mit guten Oelen und fand den Genuß des Mahles dadurch erhöht. Die demokratische Gesinnung jedoch, welche mit dem Ende der zweiten Tempel-Periode unter den Pharisäern sich mächtig steigerte und an dem Kampfe gegen den Uebermuth der Römer principiell erstarkte, erblickte auch in dieser Sitte, obgleich sie unter den Juden von alter Zeit her gebräuchlich war, einen schwelgerischen Luxus, aristokratische Schlaffheit, die sie als schimpflich betrachtete. Zum Ausdrucke dieser Gesinnung macht sich die Hillel'sche Schule gegenüber der, dem Herkommen anhänglicheren Schammai's. So lesen wir: ״Wird während der Mahlzeit wohlriechendes Oel und Wein gebracht, so nimmt man, wie die Schule Schammai's vorschreibt, das Oel in die rechte, den Wein in die linke Hand, spricht zuerst