Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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96 H. Maleachi und der jüngere Iesaias. eröffnen soll; als Fernsicht, als Erwartung vor dem Eintritte ״des großen, furchtbaren Tages" erscheint ihm die von Gott gewirkte Erscheinung des Propheten Elia, der die Kinder wieder den Vätern zuführe, den Stammesbund befestige, sonst verfalle das Land dem Banne und der Verwüstung (3, 23. 24). An dem großen Tage selbst wird eine Läuterung vorgenommen, werden die Gottesfürchtigen erkoren, die Frevler verbrannt und zermalmt (2, 2—5. 3, 17—21). Natürlich ist ihm die brennendste Frage die eheliche Vermischung mit Töchtern der Fremde, und vorzugsweise sind es die Priester, denen er einen solchen Verrath am Vaterlande vorwirft. Sie deuteln das Gesetz durch die Anwendung der weitherzigen Ansicht von der Einheit der Menschenabstammung auf die Gestattung von Mischehen; ihnen wird es besonders vorgehalten, daß sie den Töchtern eines fremden Gottes beiwohnen und doch dem wahren Gotte die Gaben darbringen wollen, ihre rechtmäßigen Frauen deßhalb verstoßen und so den Altar mit den Thränen der verschmähten Töchter Juda's bedecken. Es mag sein, daß Beziehungen zu den benachbarten Großen aus fremden Völkern, Staatsrücksichten, welche geboten., mit denselben ein gutes Verhältniß zu unterhalten, vielleicht auch üppige Sitten bei den Vornehmen und den angesehenen Priesterfamilien besonders eine laxe Behandlung der Mischehen veranlaßten und daher der Unmuth des Propheten auch vorzugsweise sie traf. Auch mußte das verführerische Beispiel von oben her besonders verderblich einwirken, wie sich ja wirklich, nach unserer Erklärung, das Volk auf den ״Einen" als Vorbild berief, und so mußte gerade gegen die Patricier und die Priester zunächst mit allem Nachdrucke vorangegangen werden. Aber die ganze Haltung des Propheten beweist, daß er den Priestern wirklich eine höhere Stellung einräumt und deßhalb sein Schmerz um ihre Entwürdigung um so tiefer ist. Für Maleachi sind P r i e st e r u n d O p f e r d i e n st der Mittel- Punkt religiösstaatlichen Lebens. Er überhäuft sie mit Vorwürfen, gerade weil er ihren Beruf so hochstellt, weil sie die Lehrer und Führer des Volkes sein sollen (2, 1 ff.). Der Tadel trifft sie aber nicht blos, weil sie die sittlichen Gebote nicht erfüllen, sinnlich und gewalt- Lhätig sind (3, 5), nicht blos weil sie den nationalen Bund durch Mischehen entweihen, sondern hauptsächlich weil sie dadurch das Opfer entweihen, den Altar schänden, überhaupt weil sie ihren Opferdienst nicht rein erhalten. Sie bringen verunreinigt Brod