Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Maleachi und der jüngere Jesaias. 97 auf den Tisch Gottes (1, 7. 12), bringen blindes, lahmes, krankes Vieh zum Opfer dar (8. 13. 14). Erst wenn sie geläutert sind, werden sie rechtmäßig die Gaben darbringen können (3, 3). Darum ist ihm aber auch andererseits die Vorenthaltung des Zehnten und der Hebe von der Frucht, der von dem Volke zu entrichtenden Priester- und Levitengaben ein an Gott selbst begangener Raub, ein fluchwürdiges Verbrechen, das Noth und Elend herbeiführen muß (8—12). Wenn er also die Priester schmäht, so ist es nicht, weil er in dem ganzen Priesterthum eine ungenügende, angemaßte Vertretung der religiösen Idee erblickt, vielmehr im Gegentheile weil das Priesterthum die wahre Vermittlung mit Gott ist, die Priester nun, welche ihres Amtes nicht warten, es entweihen, das Höchste entwürdigen. Kein Kampf gegen die Opfer im Allgemeinen entfährt seinen Lippen, Nichts von ihrer Entbehrlichkeit, kein Hinblick auf die Erhebung des ganzen Volkes; er will nur den Priesteradel auch in seiner religiösen Veredlung und der Priesterweihe sehen. Ein ganz anderer Geisteshauch weht uns aus dem jüngeren Jesaias entgegen. Wie seine Rede schwunghaft sich erhebt, anschwillt, mächtig dahinrauscht und schon durch die Form Ahnungen erweckt, so noch weit mehr durch ihren ideellen Inhalt. Der Seher steht auf der reinen Höhe großer Zukunfterwartungen, ein hohes Ideal erfüllt ihn, das er im Geiste verwirklicht sieht, mit dem er auch die kümmerliche Gegenwart tröstet und erhebt, das er dann auch als Maßstab für seine Anforderungen an dieselbe anlegt, sie mit scharfem Worte strafend. Er hegt Israel, bedroht seine Feinde, verspottet ihren Götzendienst, jauchzet im Kampfe gegen dessen geistentleerte Anhänger, aber er liebet auch die fremden Freunde Israels, er verherrlicht mit voller Lust den ״gottgesalbten" Cyrus, den Helden, der den Auftrag Gottes vollzieht und mit unbezwinglicher Kraft Alles sich unterthan macht. Israel ist ihm der ״Bund der (Erden-) Gesammtheit, das Licht der Völker" (42, 6. 49, 8), damit alle Bewohner der Erde von der einen, sie alle umschlingenden Gesinnung der Gotteserkenntniß durchdrungen werden. ״Der sagt: ich bin Gottes, und der rufet den Namen Jakob's, und der schreibt seine Hand Gott zu und belegt mit dem Namen Israelis (44, 5). Nicht spreche der Sohn der Fremde, der Gotte sich zugesellt: ״Mich schließt Gott ab von seinem Volke/ Und nicht spreche der Verschnittene: ״Siehe, ich ein dürrer Baum!" BierteLjahrsschrift VI. 2. 7