Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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89 II. Maleachr und der jüngere Iesaias? Diesem Ideale, das in seiner ganzen Herrlichkeit entfaltet, mit allem Nachdrucke als anzustrebendes Ziel anempfohlen wird, auf daß Alle durch eignen reinen Lebenswandel es herbeizuführen als höchste Lebensaufgabe erkennen, — dieser edlen geistigen Richtung ging noch nothwendig eine andere zur Seite, welche durch die Wirklichkeit geboten war. Träger dieser Idee, vorläufig ausschließlicher, ist Israel, ist Juda, es muß daher als solch bevorzugten Träger sich erkennen, sich bewahren. Der Weltengott hat sich Jsrael, Juda git seinen: Rüstzeug erkoren, hat sich in Jerusalem offenbart, die Könige des Judahauses, das Geschlecht David's mit seinem Oele gesalbt; ein heiliges Volk, ein heiliges Land, heilige Sitte ist berufen, die Lehre weithin zu tragen, dient als Mittel- Punkt für die Anerkennung Gottes auf dem ganzen Erdboden. So ist der Tempel in Jerusalem doch ein außerordentliches Heiligthum, umsomehr als er nur der einzige sein darf, damit nicht überall verrichteter Hausgottesdienst auch die Hausgötter wieder aufkommen lasse, eine jede geheiligte Stätte wieder ihre Privatpriester und ihren loealgefärbten Gottesdienst habe. Die an diesem Tempel den Gottesdienst Leitenden sind die einzigen befugten und daher doch hervorgehobenen Priester, sie sind als treue Wächter dieses ausschließlichen Heiligthums des einzigen Gottes, als von seiner Entstehung an durch Salomo mit ihm verbunden, als Söhne Zadok's, des priesterlichen Getreuen des davidischen Hauses, mit dem Glorienscheine hervorragender Weihe bestrahlt, und ihnen schließen sich, wenn sie nach Jerusalem kommen, sämmtliche aus alter Zeit herstammende Leviten ohne inneren Unterschied als Priesterleviten an. Ist auch Opferdienst nicht die Äolksreligion, so sindet er doch am Tempel Statt und nur durch die dazu berufenen Priester, und das Volk wallfahrtet zu Zeiten mit seinen Gaben gleichfalls nach dieser heiligen Stätte, wo es dann selbst in priesterlicher Weihe heilige Mahle verzehrt. Es ist der Führer aller Völker zu Gott hin, aber noch sind diese dem rohesten Götzendienste unterthan, und Fernhaltung von ihnen bleibt daher Pflicht, wird Bedingung zur Erfüllung des hohen Berufes, damit nicht der Greuel in die eigne Mitte eindringe. So gebietet sich Sonderung von den Völkern und Be- Wahrung alter heiliger Nationalsitte gerade durch den universellen Beruf. Mit diesem unvermittelten inneren Widerspruche, der das ganze Leben Juda's, auch die Reden seiner begeistertsten Propheten