Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Maleachi und der jüngere Jesaias. 87 Entwickelung entgegenzugehn, aber von einem nun unerschütterlichen Grunde aus, und sie ist es auch, deren Contouren uns in scharfer Zeichnung bestimmt erkennbar sind. Längst war die transjordanische, rubenitische Volksselbstständigkeit gebrochen, die halb heidnische religiöse Richtung, die dort herrschte, hat dem Aufgehn Ruben's und seiner Genossen unter den erobernden Völkern geringen Widerstand geleistet. Auch das Nordreich Ephraim's war der Macht der Assyrer erlegen; sein israelitisches Bewußtsein war schon ein weit kräftigeres, es stand auch im religiösen Leben als nationale Macht andern Völkern gegenüber und wich dennoch im Ganzen innerlich zu wenig von ihnen ab, als daß es, äußerlich dahingesunken, sich noch in geistiger Sonderung hätte erhalten können. Ein Theil schwand hin, ein anderer erhielt sich kümmerlich, an Juda sich anlehnend, von ihm Kraft und Belehrung schöpfend. Juda hatte seine Einheit auch innerlich so straff vollzogen, daß es auch unter der Obmacht der Babylonier, selbst von dem vaterländischen Boden vertrieben, den judäischen Geist treu bewahrte. Dieser judäische Geist überragte mächtig den israelitisch-ephraimitischen, er war ein universalistischer, sein Gott der umfassende Wellherrscher, der nur insofern der nationale war, als von Israel aus seine Anerkennung weithin getragen werden sollte; mit der Bild- und Gestaltlosigkeit dieses Gottes wurde Ernst gemacht, er wurde in höherer Auffassung verehrt. Diese Verehrung sollte daher nicht überall nach Belieben vollzogen werden, nur eine geheiligte Stätte sollte es für den einzigen Gott geben, und dennoch sollte er keineswegs in irgend einen Raum begränzt gedacht werden. Priester- und Opferdienst waren nur an diesem Orte gestattet, nahmen aber nicht den ganzen Inhalt und Umfang des religiösen Lebens an allen Orten ein. Dieses ist vielmehr ein weit innerlicheres, der sittlichen Veredlung zugekehrtes. Das äußere Gesetz ist dort einer entschiedenen Reform unterworfen worden. Das Deuteronomium, welches das judäische Bewußtsein vertritt, kennt eine große Anzahl israelitischer religiöser Vorschriften gar nicht und beschränkt andere in einer durchgreifenden Neugestaltung, Vereinfachung. Das Deuteronomium kennt keine Beschneidung der Vorhaut am männlichen Gliede, keine Darbringung von Fetttheilen am Opfer und kein Verbot derselben an Schlachtthieren zum Genusse, schränkt Priestergaben, Opfer- und Reinheitsgesetze aufs Knappste ein, weiß nur von drei Wallfahrtfesten u. dgl. In dieser