Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Rumänien. die es ihr gleichfalls zur Pflicht macht, bei Ereignissen, wie diejenigen in Rumänien sind, nicht eine an sie ergehende Aufforderung abzuwarten, sondern selbstständig mit einzugreifen. Beweisen wir, daß die Zeitverhältnisse es nicht vermocht haben uns herniederzudrücken, daß wir auf der Höhe unserer Aufgabe verharren. — — Die Männer des Geistes mögen aber gleichfalls ihrer Pflicht eingedenk sein. Das Wort ist doch eine Macht, die nicht ungestraft verspottet wird. Ermüden wir nicht, das heuchlerische Coquettiren mit nationaler Selbstständigkeit, mit sittlicher Strenge in seiner ganzen nackten Lügenhaftigkeit bloszustellen, sprechen wir es immer und wiederholt aus, wie unter diesen hohlen Redensarten sich die träge Genußsucht, der Neid gegen den Aufschwung betriebsamer Kraft, die Dummheit religösen Wahnes, die rohe sittliche Verkommenheit, der niedrige Bauernstolz sich verbirgt, sich mit dem Flitter aufputzen, leichten Kaufs, mit brutaler Gewalt sich die Arbeit Anderer aneignen möchte. Rufen wir es Europa unablässig in die Ohren, daß es den Staaten kein Heil bringt, klüglich zu berechnen, welcher Gewinn etwa erwachse durch Duldung, Begünstigung roher Gewaltthat; jeden Staat, der im Völker-Areopage eine gewichtige Stimme hat, trifft die Berdammniß, wenn er die Verhöhnung der Menschenrechte dort duldet, wo sein Wort mächtig in die Wagschale der Entscheidung fällt. Bringen wir es zur Erkenntniß, daß keine politische Erwägung die Ungerechtigkeit rechtfertigen kann, daß die Bundesgenossenschaft mit der Gewaltthat nimmer zum Heile führt! Herunter mit der nationalen wie mit der christlichen Schminke! Frankfurt a. M. 19. März 1868. Abraham Geiger. II. Maleachi und -er jüngere Jesaias. In der sehr bewegten, innerlich wie äußerlich an Wechsel und Umgestaltung reichen Geschichte Jsrael's bildet die Zeit der Rückkehr aus dem babylonischen Exile einen festen Mittelpunkt, ist sie die Periode, in welcher Geschick und Richtung zu einem gewissen Abschlusse gekommen, um von nun an zwar wieder mannichfacher neuer