Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine offene Anklage. 85 nun nicht überhört wird, laut und eindringlich zu erheben. Zumal da der Fürst Fleisch von seinem Fleische ist, zumal da Preußen als eng verbündet mit Rußland gilt und dieses als der unmittelbare oder mittelbare Anschürer aller Aufregungen in den Ostländern betrachtet wird. Unsere, der Juden, Aufgabe aber ist es, unablässig für die Glaubensgenossen einzutreten, die Männer der Macht anzugehn, sie an ihre Pflicht zu mahnen. Wir fühlen uns voll als Deutsche, aber unser Herz hört nicht auf, für die jüdischen Glaubensbrüder aller Länder warm zu schlagen. Die sogenannten christlichen Staaten erhalten die Welt in beständiger Unruhe, indem sie die Sache der Christen im fernen Orient wirklich oder angeblich zu der ihrigen machen, und wir sollten uns scheuen, die ״Stimme Jakob's" zu erheben, wenn die Grausamkeit mit dem Glücke und dem Frieden unserer Glaubensbrüder ein frevelhaftes Spiel treibt? Es warein Majestätsbrief Israels zu allen Zeiten, dem Bedrückten ein Mund zu sein; lösen wir dieses Ehrensiegel nicht von unserer Gegenwart! Die Gemeinde Berlin nimmt die schöne Stellung ein, daß ihr die Initiative in dieser Sache der Menschheit gebührt, und eine Eingabe an Se. Maj. den König oder an den Bundeskanzler wird, wenn sie als Circular an sämmtliche Gemeinden des norddeutschen Bundes ergeht, von ihnen allen willig unterzeichnet werden. Fragen wir nicht nach dem Erfolge! Was im Dienste der Gerechtigkeit unternommen wird, ist gebieterische Pflicht ohne Rücksicht auf den Ausgang. Das ernste Zeugniß unserer Gesinnung wird, kann auch nicht erfolglos sein; schon die Ermuthigung, die wir den fernen gepeinigten Glaubensbrüdern darreichen, die Theilnahme, deren Ausdruck sie empfangen, errettet sie aus der Verzweiflung, vom Untergange. Nur dieses Wort der Anregung konnte ich nicht unterdrücken und überlasse ich es vertrauensvoll Ihrer Einsicht und Ihrer Thatkraft, das Nöthige und Zweckmäßige zu veranlassen. Auch an den Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde richtete ich die Aufforderung in folgenden Worten: Einem wohllöbl. Vorstande beehre ich mich, Abschrift der einliegenden an den Vorstand der Berliner Synagogengemeinde gerichteten Vorstellung hiermit zu überreichen. Die Gemeinde Frankfurt nimmt eine Stellung ein,