Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Rumänien. leben, emer Folter, deren Qualen noch erhöht werden, indem sie höhnisch mit dem Firniß moderner Bildung umkleidet wird. Unter allen Gemeinden Deutschlands hat Wohl Berlin zunächst die Aufgabe, in dieser heiligen Sache voranzugehn, und ich zweifle nicht, daß sie, dazu angeregt, dieselbe in die Hand nehmen wird. Zu einer solchen Anregung hielt ich mich verpflichtet, und so richtete ich ein Schreiben an den Vorstand der dortigen Synagogen-Gemeinde, das ich hier folgen lasse: Wohl löbl.. Vorst and! Der Nothschrei unsrer Glaubensbrüder aus Rumänien wird immer lauter, dringender, verzweifelter. Der bisherige Ausbruch roher Leidenschaft will sich nunmehr zum grausamen Gesetze verfestigen; die Willkür soll sich in Nechtsformen kleiden. Ein Volksstamm feiert die Orgien seiner Barbarei, indem er sie für Civilisation, für Pflege der Nationalität ausgiebt; er wird aufgestachelt von denen, die sich ihrer Bildung, ihres Freiheitssinnes rühmen, die leitenden Ideen der neueren Zeit werden in den wirren Köpfen dieser Halbbarbaren zu Brandfackeln. Geleitet wird diese wilde Gährung, man weiß nicht ob sie gedrängt werden, ob siedrängen, von den Staatsmännern, von der Regierung, und so wird ein wahrer Vertilgungskampf gegen die dort zahlreich weilenden, dort gebornen Juden geführt. Die geistigen Waffen, die unsre dor- Ligen Glaubensbrüder mit Eifer und Geschick führen, reichen der Leidenschaft gegenüber nicht aus; diesen Halbwilden, die mit solchen Ausschweifungen in die Reihe der gebildeten Staaten Europas eintreten wollen, muß von diesen der Zaum angelegt werden, sie müssen der rohen Gewalt wehren und es sie fühlen lassen, daß maßlose Ansprüche nicht zur Selbstständigkeit berechtigen, sondern wahre Humanität. Der Fürst des rumänischen Volkes ist ein Deutscher, ein Hohenzoller, ein Glied des preußischen Königstammes. Preußen, der norddeutsche Bund, darf es nicht dulden, daß auch nur der Schein einer solchen tief entwürdigenden Schmach auf diesem Fürsten ruhe. Für die erweiterte Machtstellung Preußens, Norddeutschland's hat das Volk sein Blut hergegeben, seinen Wohlstand geopfert, es bringt täglich neue Opfer dafür; es ist die Pflicht Preußens, des norddeutschen Bundes, nun seine befestigte Macht in die Wagschale zu legen, wo es gilt Menschlichkeit zu vertreten, seine Stimme, die