Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine offene Anklage. 83 tiren beeilt (Moniteur vom 20. Febr. a. St.), daß kein Fremder zur Bewerbung für Licitationen in seinem Departement zugelassen werden solle. Unter dem ״Fremden" soll hier selbstverständlich der eingeborene Israelit verstanden werden. Die Welt wird mit Recht erstaunt sein, eine Verwaltung zu sehen, welche das System der Ausschließung verehrt zum Nachtheil ihrer eigenen Finanzen, die schon fast ganz zerrüttet sind. Wir können diese kopflose Maßregel nur bezeichnen als gänzliches Mißverständniß, verkehrte An- Wendung der schauderhaft ausschweifenden Nationalitäts-Empfindüngen, oder richtiger: es ist die Dummheit, die dem Mangel an aller Erfahrung die Hand reicht." Es wird uns nun nicht Wundern, wenn wir an der Spitze des Blattes einen mit Trauerrand umgebenen Artikel erblicken, der überschrieben ist: Aufruf an die Israeliten Rumäniens, und der folgendermaßen lautet: ״Angesichts der schauerlichen Verfolgungen, deren Opfer die Israeliten gegenwärtig in diesem Lande sind, bitten wir sie dringend, die jährliche Wiederkehr des Falles des alten Haman (das Purimfest), welches kommenden Sonntag den (25. Febr.) 8. März Statt finden soll, nicht zu feiern. Nach unserer Meinung muß die Feier dieses fröhlichen Festes verschoben werden, bis es Gotte gefallen wird, die neueren Hamans, Jon Bratiano und Genossen, die grausamen Unterdrücker, welche so viele Thränen haben fließen machen, zu besseren Gesinnungen zu bekehren." Schmach und Schande einer Regierung, die solche Seufzer, solchen Aufschrei der Verzweiflung erpreßt! Schmach und Schande unserer Zeit, daß sie einem nur von der Gunst Europa's sich erhaltenden Staate zweifelhafter Existenz diesen Mißbrauch usurpirter Gewalt gestattet! Schmach und Schande jener angeblichen Vorhut des Christenthums gegen die Obmacht des Islam! Schmach und Schande würde aber auch uns treffen, wenn wir nicht unablässig unsere Stimme erheben, Bitten, Forderungen bei den Machthabern, an den Thronen und bei den weitgebietenden Staatsmännern vorbringen wollten. Auf, ihr Abgeordnete des Volkes, ehret die humanen Gesinnungen, die euch unbehindert von euerm jüdischen Bekenntnisse erwählt haben, indem ihr auch dieses Bekenntniß nicht verberget und auf die Verwendung der mächtigen und gebildeten Staaten, in denen ihr lebet, dringet! Auf, ihr Gemeinden Israels aller Orten, habet ein Herz für die gequälten und mißhandelten Brüder in der Ferne, die noch unter der Folter des Mittelalters 6*