Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2420992-2420994--1695-2422699- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
82 I. Rumänien. Hamburg 1862 anonym erschienene (dem verrufenen Marr zugeschriebene) Schrift: Die Juden und der deutsche Staat, an der man in Deutschland mit verdienter schweigender Verachtung vorübergegangen, ist dort zum fünften Evangelium erhoben worden, aus dem die giftige Presse ihre Weisheit schöpft. Die brutalen Ausbrüche, welche bisher bald in Abrede gestellt, bald desavouirt worden, wollen sich nunmehr in gesetzliche Rechtsformen kleiden, und es wäre endlich Zeit, daß das gebildete Europa jenem Barbarenthum ein mächtiges Halt! zurufe. Ein geachtetes rumänisches Wochenblatt, l’echo Dannbien, berichtet in seiner Nummer vom 6. d. Folgendes: ״Wir erfahren, daß nächstens ein Gesetzentwurf zur Modificirung des Gemeindegesetzes vorgelegt werden wird. Nach demselben würde der Maere mit der unbeschränkten und absoluten Macht bekleidet, aus den städtischen oder ländlichen Gemeinden jeden ihm mißliebigen Fremden auszutreiben. Diese Modification verbirgt die Absicht, jene religiösen Secten auf geschickte Weise zu verfolgen, welche seit einem Jahre der Gegenstand der schmählichsten Behandlung geworden. Sichtbar hat sich demnach der religiöse Haß, Dank den neueren Aufregungen, so tief eingewurzelt, daß er wahrhaft gefährlich zu werden und selbst die Gesetze der Menschlichkeit und die internationalen Verträge anzugreifen beginnt. Dieser Haß kennt nicht die Gränzen der Billigkeit, nicht die Schranken der Schicklichkeit, und es ist sehr zu befürchten, er möchte das alte Sprichwort bewähren: Wer andern eine Grube gräbt, dürfte zuerst selbst hineinfallen. — Von überall verstoßen und verjagt, werden die Israeliten von dem Lande, in dem sie geboren sind, nicht nur wie Kinder der Fremde behandelt, sondern sie werden auch gezwungen, Verfolgungen, Quälereien, Rohheiten zu erdulden, welche Alles übersteigen, was die Einbildungskraft der tödtlichsten Feinde fassen kann." Der Artikel fährt dann fort mit dem bündigen Nachweise, wie falsch die Angaben sind, welche der Polizeipräsident Pascu theilweise zur Ableugnung theilweise zur Rechtfertigung der Metzeleien in Verlad beibringt. Ein zweiter Artikel in derselben Nummer weiß wieder ein anderes Pröbchen jener raffinirten Bosheit zu berichten. ״Der Geist der Verfolgung, welcher sich aller Werkzeuge unserer Regierung bemächtigt hat, beginnt sich überall aufs Unbarmherzigste zu offenbaren. Der Kriegsminister, begierig den Schritten seines würdigen Collegen von den öffentlichen Arbeiten zu folgen, hat sich zu decre-