Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Aus Briefen. Natürlich: die drei Tendenzen des Buches 1) die Versöhnung der Bekenntnisse, 2) die Verderblichkeit des herrschenden Priesterthums, 3) die Anerkennung einer geschichtlichen Entwickelung auch auf religiösem Gebiete, mußten ihnen ans Leben greifen. fJntereffant ist auch zu beobachten, wie sich der ״gläubige" Protestantismus zu dieser Schrift verhält. Meßner's ״Neue Evangelische Kirchen- Zeitung", die Repräsentatin Preußischer officieller (oberkirchenräthlicher) Theologie, bemerkt (Nr. 51 v. I. S. 816), nachdem sie in einigen höchst mageren Zeilen ein Referat zu geben den Anschein genommen, dann am Schluffe: ״Sollte der Verfasser mit dieser Schrift wirklich, wie er wünscht, Convertiten machen, so kann er dessen wenigstens gewiß sein, daß diese zuvor keine Christen nach ihrer Denkart waren, aber nicht minder auch dessen, daß sie durch ihn keine wahren Juden geworden sind." Dieses an sich so flache nichtssagende Gerede offenbart Eines doch ganz klar: diese Theologie kennt keine reinen wissenschaftlichen Zwecke, ihr ist der heilige Drang nach objectiver Erkenntniß der Wahrheit, nach deren Aneignung und Klarstellung fremd; sie hat in all ihrem eignen Thun nur den einen Zielpunkt vor Augen: wie macht man Convertiten? wie verschafft man sich Parteigenossen? wie beugt man die Geister unter seine kirchliche Herrschaft? Daher sieht sie auch in Anderer Thun nur diesen Beweggrund und beruhigt sie sich mit dem stolzen Gefühle, ihre Herrschaft könne durch solches Vorgehn nicht erschüttert werden. Dem Judenthume gegenüber, dem der Propagandismus fremd ist, kann sie in dieser Beziehung sehr sorg׳- los sein; aber seine Wahrheit zu vertreten,, immer tiefer zu erfassen und weithin zugänglich zu machen, wird es darum doch nicht ermatten, und in der Pflege wahrer Wiffenschaft wird es der selbstsichern Gedankenfaulheit den Geistesboden, den sie so breit einzunehmen sich anmaßt, allmälig entziehen. Mag die Richtung dann noch eine längere Zeit weiter durch ihre Gewaltmittelchen ihr Dasein fristen, eine bewegende gesunde geistige Kraft zu sein hat sie schon aufgehört, und sie wird immer mehr zur leeren AeußerlichkeiL herabsinken. G.s Von Hrn. Dr. Derenburg, Paris 5. Febr. ... Es wird mir erzählt, daß man bei den Ausgrabungen, die jetzt in Jerusalem unter englischem Einflüsse vorgenommen wer-