Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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68 Aus Briefen. halten mußte. Es ist abzuleiten von כןבל, entgegen, also: einander gegenüberstehend, correspondirend. ©.] Aus P. 20. Jan. .. . Das jüd. Volk hat Großes und Herrliches geleistet und besitzt noch jetzt einen großen Fond von herrlicher Bildung des Geistes und des Herzens. ... Ich bin kein Asket, schwärme nicht für Zizith und Erub, bin auch zu sehr Kosmopolit, als daß ich mich für nationale Mützen begeistern könnte, aber die Erhaltung nationaler Tugenden ist etwas Großes, groß namentlich bei den Juden, deren — beinahe möchte ich sagen: urwüchsige — Tugenden die Welt umgestaltet, aber noch nicht durchdrungen haben. Diese großen Tugenden schwinden zum Th eil. Der Wohlthätigkeitssinn lebt noch; aber die alte ächte Frömmigkeit des Gemüthes, die alte Sittenreinheit, die unbefleckte Keuschheit drohen zu schwinden . . . Giebt es ein Mittel, das alte Nationalgut zu erhalten und zugleich das Gute und Schöne der modernen Zeit dem Volke einzuimpfen? Gewiß ist dieses möglich; aber wo sind die Männer dazu, welche dieses - bewerkstelligen könnten? ... Das Geschlecht der Epigonen besteht größtentheils aus heuchlerischen Ignoranten. Dasselbe bringt jämmerliches Zeug in der jüd. Literatur hervor und gebehrdet und spreizt sich dabei so widerwärtig, daß man einen wahren Ekel dagegen empfindet. Mögen darum doch die edlen tüchtigen Männer den Muth nicht sinken lassen, mögen sie ferner die Herrlichkeit des alten Volkes verkünden, ihm die großen Verdienste nicht rauben lassen, die ihm so lange streitig gemacht wurden und ihm noch immer abgesprochen werden. Ihre Worte tragen Früchte, was in jedem Buche und in jeder Abhandlung Zu merken ist, welche von den 01‘igines und den mit denselben zusammenhängenden Fragen handeln. Nur ist das Merkwürdige dabei, daß jene Herren Theologen die Ansichten — soweit sie nämlich dieselben capiren — annehmen und dabei doch nicht aufhören zu polemisiren. Ein frappantes Beispiel dieses Verfahrens ist die Abhandlung von Hanne über die Pharisäer in Hilgenfeld's Zeitschrift. Er acceptirt die eine Seite Ihrer Meinung vollkommen — auch Hilgenfeld spricht im Vorbeigehn von demokratischen Pharisäern —, die andere, rein religiöse und ethische Seite der Pharisäer versteht und begreift er nicht und polemisirt daher gegen Sie. . .